29. August 2013

Jagd, Die

© Film i Väst
Regie: Thomas Vinterberg
Land / Jahr: Dänemark 2012












Lucas (Mads Mikkelsen) hat sich nach der Scheidung von seiner Frau ein neues Leben aufgebaut. Er arbeitet als Kindergärtner, hat viele Freunde, ist bei allen beliebt. Doch dann bringt ein kleines Mädchen aus dem Kindergarten ein böses Gerücht in die Welt: Lucas habe sich vor ihr entblöst. Eine Hexenjagd beginnt, bei der Lucas seine Unschuld beweisen muss...
Was für ein feiner Film! Nach "Das Fest" ist es dem Dogma-Filmer Thomas Vinterberg zum zweiten Mal gelungen mit einem schmutzigen Gerücht die Welt von eigentlich ganz normalen Menschen zu zerstören. Die Handlung entwickelt sich langsam, aber heftig. Unweigerlich steuert er seinen Thriller auf den großen Knall zu.
Die Darsteller spielen vom allerfeinsten, allen voran der fantastische Mads Mikkelsen als völlig zu Unrecht Beschuldigter. Schnell kommt beim Zuschauer der Gedanke auf,  der Strudel des Hasses auf eine einzige Person, die von allen für einen Unmenschen gehalten wird, ist nachvollziehbar, verliert sich aber nie in Selbstzweck. Die Wendungen sind wohl überlegt, das gesamte Werk ist wunderbar logisch und bedrückend, aber extrem spannend.
Niemals droht Vinterbergs Werk der Selbstverliebtheit und der billigen Über-Dramatisierung zu verfallen, wie man es von US-Filmen kennt. Selten hat ein Filmemacher einen Thriller gemacht, dessen Handlung und Figuren er dermaßen unter Kontrolle hatte wie Vinterberg seine Jagd auf den vermeintlichen Pädophilen.
"Die Jagd" ist ein wahres Meisterwerk, dem es nur ein minimalen Akzenten fehlt. Von der typischen Dogma-Inszenierung hat Vinterberg aber abgesehen und verleumdet sich somit quasi selbst - wie es auch schon Lars von Trier gemacht hat. Das lässt sich aufgrund des Resultats aber verzeihen. 14 Jahre hat Vinterberg gebraucht, bis er qualitativ wieder an seinen größten Erfolg anknüpfen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass dem Dänen dies auch in Zukunft wieder gelingen wird. "Die Jagd" ist intelligente und anspruchsvolle Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Fazit: 90 %

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