6. September 2013

Master, The

© Senator
Regie: Paul Thomas Anderson
Land / Jahr: USA 2012












Seine Einsatzzeit bei der Navy während des Zweiten Weltkrieges hat Freddie Quell (Joaquin Phoenix) ganz schön mitgenommen. Er ist Alkoholiker, kommt im Leben nicht zurecht, flüchtet sich immer wieder in Gewaltausbrüche. Eines Tages lernt er Lancaster Dodd (Philip Seymour Hoffman) kennen, der einen Glaubenskult um sich aufgebaut hat. Die beiden ungleichen Männer scheinen gute Freunde zu werden, aber Freddie beginnt an seinem Vorbild und dessen Idealen zu zweifeln...
Paul Thomas Anderson ist ein echter Auteur, der seine Drehbücher selbst schreibt, an der Produktion beteiligt ist und sie als Regisseur auf die Leinwand bringt. Seine Filme tragen eine deutliche, unverkennbare Handschrift. Wie auch in vielen seiner anderen Werke, hat Anderson wieder das Portrait eines übermächtigen Irren gezeichnet. In "Magnolia" ist es Tom Cruises Figur, in "There Will Be Blood" die von Daniel Day-Lewis, hier ist die von Philip Seymour Hoffman. An dessen Seite glänzt vor allem Joaquin Phoenix in der Rolle des dümmlichen Alkoholikers Freddie Quell. Die Leistungen des kompletten Ensembles sind ausgezeichnet, nicht umsonst sprangen drei Oscarnominierungen für die beiden Herren und Amy Adams rum. Die Bilder sind einzigartig, die Kameraeinstellungen ausgefallen komponiert. Dennoch hinkt die faszinierende Geschichte um einen Sektenführer im Amerika Mitte des 20. Jahrhunderts den anderen großen Filmen Andersons ("Magnolia", "There Will Be Blood" und "Boogie Nights") ein großes Stück hinterher. Das Problem ist einerseits eine zwar sehr interessante, aber nur durchschnittlich spannende Handlung, andererseits die oftmals etwas schwerfällige Inszenierung. In vielen Szenen hätte man später rein und vor allem früher rausschneiden können und den Film dadurch um mindestens 20 Minuten straffen können. Das Drama zeichnet sich jedoch durch seinen Alleinstellungswert dennoch aus und ist sehr intelligentes Kino. Allerdings sollte man sich auf 15 % Thriller und 85 % Charakterstudie einstellen. Ein sehr guter Film von Anderson, von dem allerdings auch schon stärkere Filme kamen. Unter dem Strich irgendwie eine kleine Enttäuschung.

Fazit: 80 %

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