12. Dezember 2013

Hobbit, Der - Eine unerwartete Reise

© Warner

Regie: Peter Jackson
Land / Jahr: USA, Neuseeland 2012













Eigentlich möchte der kleine Hobbit Bilbo (Martin Freeman) nur sein ruhiges Leben im Auenland genießen, als eine Gruppe Zwerge unter der Obhut des Zauberers Gandalf (Ian McKellen) bei ihm reinplatzt und Bilbo auf ein Abenteuer durch Mittelerde mitnehmen möchte...
Es ist nur allzu verständlich, dass Peter Jackson nach seinem Megaerfolg mit der „Herr der Ringe“-Trilogie eigentlich nicht mehr für den dreigeteilten „Hobbit“ auf dem Regiestuhl Platz nehmen wollte, denn zu groß ist das monumentale Meisterwerk, an dem die neue Reihe messen muss und zu viel Zeit nimmt ein weiteres Epos dieses Umfangs in Anspruch. Am Ende waren dann vor allem die Fans begeistert, dass der Fantasy-Meister sich nun doch selbst auf die Reise mit den Hobbits macht, um den Drachen zu bekämpfen. Das circa 1000 Seiten dicke Buch „Der Herr der Ringe“ auf drei Teile aufzuteilen lag nahe, beim 250 Seiten „Der Hobbit“ lässt sich natürlich Profitgier wittern, vor allem weil es ursprünglich zwei Teile sein sollten. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass Jackson nur die ersten beiden „Hobbit“-Teile an dem Buch anlehnt, Teil drei soll eine eigene Verknüpfung zwischen dem „Hobbit“ und dem chronologisch darauffolgenden „Herr der Ringe“ sein. Beim ersten Teil ist besonders gelungen, dass Jackson die neue Trilogie mit einem annähernd atmosphärischen Intro wie beim Ringherren einleitet. Die Bilder sind imposant, das Artwork wie immer extrem stilecht. Doch „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ kann in einigen Aspekten nicht die Größe des herausragenden Vorgängers erreichen. So bot „Der Herr der Ringe“ viele sehr unterschiedliche interessante Figuren – besonders amüsant war vor allem die Chemie zwischen dem Elben Legolas und dem Zwerg Gimli. „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ sieht dagegen recht blass aus: Der Zwergeneinheitsbrei lässt kaum eine Charakterisierung der einzelnen Figuren zu. Selbst nach mehrmaligem Sehen, werden die Zuschauer die Namen der einzelnen Zwerge nicht wissen. Auch die Singszenen hätten getrost weggelassen werden können, vor allem die des Goblinkönigs in der Extended Edition. Sicherlich ist dies die Verfilmung eines Buches für Kinder, aber beim fröhlichen Sing-Sang geht doch ein gutes Stück Abenteuer-Atmosphäre verloren. Auch die Kampfszenen sind sehr kindgerecht und oberflächlich geraten. Feinde werden einfach weggeschoben, größere Stürze führen nicht zum Tod, nicht einmal zu Verletzungen. Solch eine Negation der Physik hat es beim Ringherren noch nicht gegeben. Die Adler, die Gandalf am Ende ruft, lassen die Frage aufkommen, warum er die Gruppe nicht einfach von Beginn des Filmes von Adlern ins Zwergenreich fliegen lässt (und wieder zurück). Dann wäre die Trilogie insgesamt 40 Minuten lang. Das waren aber auch schon alle Makel des ersten „Hobbit“-Filmes. Wer darüber hinwegsehen kann, der bekommt das erhoffte farbenfrohe Mega-Epos, der auch in der Extended Edition mit einer Laufzeit von knapp über drei Stunden nie langweilig wird. Besonders herausragende Szene ist die erste Begegnung mit Gollum, die wirklich sehr atmosphärisch ist. Alle Departments haben wieder ausgezeichnete Arbeit geleistet und vor allem die musikalischen Kompositionen sind wieder aller erste Güte. Ein sehr guter Fantasy-Film, der in vielen Belangen aber nicht mit der „Herr der Ringe“-Trilogie mithalten kann.

Fazit: 85 %

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