1. Januar 2014

El Topo

© Scotia International


Regie: Alejandro Jodorowsky
Land / Jahr: Mexiko 1970












El Topo (Alejandro Jodorowsky) reitet mit seinem kleinen Sohn durch die Wüste und will sich mit vier Meisterschützen duellieren. Auf seiner spirituellen Reise stellen sich dem ganz in Schwarz gekleideten allmächtigen Rächer aber noch zahlreiche weitere Probleme in den Weg.
Eine Synopsis zu "El Topo" spiegelt nicht wirklich die Handlung des Filmes wider, sondern bietet eher inhaltliche Eckpfeiler auf des Maulwurfs Reise durch eine mystische Wüste. Der Film ist ein surrealer Trip, der mit hunderten, wenn nicht sogar tausenden skurillen Ideen angereichert ist. Davon gingen auch ein paar Ideen gehörig daneben, die meisten treffen aber ins Ziel. Zudem funktioniert "El Topo" vor allem durch seine geniale Bildsprache, die zu sehr großen Teilen aus (religiösen) Allegorien und Metaphern besteht. Nichts ist so wie es scheint, die Handlung des Filmes ist zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar. Im Prinzip ist "El Topo" noch nicht einmal ein Western, denn Ort und Zeit sind nicht einzuordnen, gut platzierte Anachronismen tun ihr übriges.
Der schwarzgekleidete Reiter, der sich selbst für eine Gottheit hält und sein komplett nackter Sohn, zahlreiche Gewalt- und Sexszenen, sowie die explizite Darstellung von verkrüppelten und behinderten Menschen werden dem Mainstreamzuschauer auf den Magen schlagen. Zuschauer, die sich von einem Kinofilm aber mehr als nur stumpfsinnige Unterhaltung erhoffen, bekommen mit "El Topo" einen einzigartigen Kunstfilm geliefert. Alejandro Jodorowsky spielt nicht nur die Hauptrolle, er schrieb auch das Drehbuch und führte Regie - seine Handschrift ist unverkennbar. Wer auf den Geschmack gekommen ist, dem bietet sich aber nur eine kleine Auswahl ähnlicher Filme, die entweder von Jodorowsky  selber ("Montana Sacra", "Fando y Lis") oder dessen Bruder im Geiste Fernando Arrabal ("Viva la muerte - Es lebe der Tod", "Ich werde laufen wie ein verrücktes Pferd") stammen. Für anspruchsvolle Zuschauer mehr als nur ein Blick wert. Leider zieht sich das letzte Kapitel aber ordentlich in die Länge.

Fazit: 75 %

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