15. Januar 2014

Gangs of Wasseypur

© Polyband


Regie: Anurag Kashyap
Land / Jahr: Indien 2012












Über sieben Jahrzehnte liefern sich zwei verfeindete Familien einen Gangsterkrieg in der indischen Kleinstadt Wasseypur. Ursprung ist ein Konflikt der Familienoberhäupter Shahid Khan (Jaideep Ahlawat) und Ramadhir Singh (Tigmanshu Dhulia) in den 1940ern, der das Blutvergießen immer wieder neu entfacht.
Anurag Kashyaps auf wahren Begebenheiten beruhendes Familienepos ist ein bombastisches Mafia-Drama, das an vielen Stellen Einflüsse von großen Meisterwerken wie "Der Pate" und "Goodfellas" durchscheinen lässt. Der Einstieg in das Mammutwerk mit einer wunderbaren Plansequenz macht sofort Appetit auf das, was noch kommen wird und das ist eine ganze Menge, denn der Film hat eine Laufzeit von über fünf Stunden.
Anders als bei den westlichen Filmen geht es den Familien jedoch nicht um umermesslichen Reichtum, sondern um die Vorherrschaft in einer Stadt und Macht und Kontrolle auf den Straßen. Um die zahlreichen Figuren zu zeichnen lag Kashyap ein ausgezeichnetes Drehbuch zugrunde, das die Handlungsstränge und verschiedenen Jahrzehnte und Figuren geschickt miteinander verknüpft.
Neben all den stilistischen Verbeugungen vor dem Weltkino gibt es auch viele inhaltliche Bezüge. An den Mauern Wasseypurs hängen Filmplakate, die Figuren gehen mehrmals ins Kino und die Figuren sprechen über indische Kassenschlager wie "Zanjeer", der Amitabh Bachchan zum Superstar machte.
Neben all den positiven Aspekten hat ein Department aber auch grauenhafte Arbeit geleistet. Die Musik von Sneha Khanwalkar ist billiger Elektroschund und passt zu keinem Zeitpunkt in die Atmosphäre des Filmes. Eine derartige Qualitätsschere zwischen Film und Musik ist fast schon einzigartig.
Dieses über 300 Minuten lange Bombastepos über zwei verfeindete Familien kann trotz seiner unendlich wirkenden Laufzeit unterhalten und faszinieren. Auch die schreckliche musikalische Untermalung kann nicht so viel zerstören, wie Khanwalkar es zu versuchen scheint. In vielen westlichen Ländern ist "Gangs of Wasseypur" als Zweiteiler erscheinen, dennoch handelt es sich um einen durchgängigen Film.

Fazit: 80 %

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