12. Januar 2014

Medicus, Der

© Universal


Regie: Philipp Stölzl
Land / Jahr: Deutschland 2013












England im 11. Jahrhundert: Der junge Rob Cole (Tom Payne) geht nach dem Tod seiner Mutter bei einem Bader (Stellan Skarsgard) in die Lehre. Doch Rob will mehr als nur Zähne ziehen und Warzen behandeln und so macht er sich auf den Weg nach Persien, um von dem sagenumwobenen Arzt und Wissenschaftler Ibn Sina (Ben Kingsley) in die Geheimnisse der Heilkunst eingeweiht zu werden.
Einerseits ist Noah Gordons 1986 erschienener Historienroman "Der Medicus" ist ein absoluter Bestseller gewesen, andererseits haben in Deutschland produzierte Historienepen wie "Die Päpstin" gezeigt, dass sich die Zuschauer gern auf eine Reise in längst vergangene Zeiten einlassen. Mit Philipp Stölzl sicherte man sich einen versierten Filmemacher auf dem Gebiet historischer Filme, schließlich konnte er mit "Nordwand" und "Goethe!" überzeugen.
Bei "Der Medicus" war aber gerade Regisseur Stölzl ziemlich überfordert. Das hohe Budget und die Zusammenarbeit mit Oscargewinner Ben Kingsley scheinen ihn aus dem Konzept gebracht zu haben. Zwar ist der Film handwerklich ordentlich inszeniert, aber frische Ideen sucht man vergebens. Es scheint als habe der Regisseur sein Werk nach einem Filmhochschulhandbuch umgesetzt, denn es gelingt ihm nicht ein einziges Mal die Magie der starken Vorlage auf den Zuschauer zu übertragen.
Zum Glück ist die Geschichte aber stark genug, um einen sich auf das Nötigste beschränkenden Regisseur zu verkraften und so ist der Medicus nicht zuletzt wegen der guten Darsteller und der imposanten Ausstattung sehenswert. Die vielen Wendungen und Nebenhandlungsstränge halten den Zuschauer auch über die gut zweieinhalb Stunden Laufzeit im Mittelalter gefangen und zum Glück werden Peinlichkeiten und Albernheiten auf einem Minimum gehalten. Der Umgang mit den drei Weltreligionen ist zudem sehr stilvoll, aber auch glaubwürdig geraten.
Puristen werden einige Änderungen im Vergleich mit der Romanvorlage verkraften müssen, sollte diese Hürde genommen sein, so kann man sich über eine sagenhaftes Mittelalter-Epos freuen, das für eine deutsche Produktion sehr opulent ausgefallen ist. 26 Millionen Euro sind auch ein immens hohes Budget, allerdings aber auch weit hinter dem amerikanischen Standert zurück. Selbstverständlich kann nicht jeder wie David Lean mit "Lawrence von Arabien" die Magie der Wüste einfangen, aber etwas mehr Mut im Umgang mit der Kamera wäre Stölzl zuzutrauen gewesen. Spaß macht "Der Medicus" aber allemal, nicht zuletzt wegen der tollen Geschichte.

Fazit: 70 %

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