21. April 2014

Auge um Auge

© TOBIS

Regie: Scott Cooper
Land / Jahr: Großbritannien, USA 2013











Die Brüder Russell Baze (Christian Bale) und Rodney Baze Jr. (Casey Affleck) leben in einer kleinen Provinzstadt im Norden der USA. Russell ist Stahlarbeiter, Rodney eigentlich Soldat, frischt seine Geldbörse hin und wieder aber mit illegalen Faust-Kämpfen auf. Als Rodney eines Tages nicht nach Hause kommt und der brutale Hinterwäldler Harlan DeGroat (Woody Harrelson) verdächtigt wird, will Russell der Sache auf eigene Faust auf den Grund gehen.
Extrem ruhig und vor einer wunderbar hässlichen Industrie-Kleinstadt-Kulisse erzählt Regisseur Scott Cooper sein Brüder-Drama. Dabei dauert es einige Zeit, bis der Film Fahrt aufgenimmt, denn Cooper braucht die komplette erste Hälfte, um seine Figuren vorzustellen und möglichst detailliert zu zeichnen. Das ist ihm wirklich gut gelungen, unter anderem auch weil er seine Cast zu tollen Leistungen anspornte. Besonders gut gefallen Christian Bale als trauriger und gebrochener "Held" und Woody Harrelson als skurpelloser und geldgieriger Redneck, die beide eine ausgezeichnete Performance darbieten.
All diese detaillierte Charakterzeichnung geht natürlich auf Kosten der Handlung. Denn bevor die eigentliche Geschichte rund um Rodneys Verschwinden beginnt, ist schon mehr als der halbe Film vorbei und Cooper hat mehrere Nebenhandlungsstränge erzählt, die nicht alle essentiell sind. Vieles läuft ins Leere und verliert im Laufe des Filmes an Bedeutung - Wer das träg-melancholische Country-Biopic "Crazy Heart" von Cooper gesehen hat weiß, dass die Handlung sich bei ihm vor den Figuren verneigen muss.
"Auge um Auge" ist ein gut geschriebenes Hinterwäldler-Drama mit großartigen Darstellern und stimmigen Dialogen. Die depremierende Stimmung rührt auch von der trostlosen und verfallenen Industrie-Stadt her. Wäre der Film um den ein oder anderen (kompletten) Nebenhandlungsstrang geschnitten worden, wie zum Beispiel die Liebesgeschichte oder den Gefängnisaufenthalt, dann hätte "Auge um Auge" ein richtig toller Film werden können - so ist er zwar immer noch ziemlich gut, aber stellenweise viel zu lang(sam).

Fazit: 70 %

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