28. April 2014

Cass - Legend of a Hooligan

© New KSM

Regie: Jon S. Baird
Land / Jahr: Großbritannien 2008












Cass (Nonso Anozie) wird als Baby von einem älteren britischen Ehepaar adoptiert und ist im London der 50er Jahre als Schwarzer stets rassistischen Pöbeleien ausgesetzt. Als Fan von West Ham United schließt er sich eines Tages der Hooligan-Gruppe Inter City Firm an und wird zu einem über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Fußball-Schläger.

Der Sport kommt zu kurz
Auf wahren Begebenheiten beruhend wird die Geschichte eines wegen seiner Hautfarbe unterdrückten Jungen erzählt, der sich mit Gewalt und Brutalität endlich den Respekt verschafft, nachdem er sich sehnt. Doch obwohl Cass auch als liebevoller Sohn und Freund gezeigt wird, so versäumt es Regisseur Jon S. Baird nicht stets darauf zu verweisen auf welche Art sich der Fußballfan einen Namen macht: mit skurpelloser Gewalt.
Was bei dieser Fußball-Hooligan-Geschichte aber deutlich zu kurz kommt ist der Sport an sich. Das magere Budget von nur einer Million britischen Pfund ließ anscheinend keine einzige Szene  während eines Spieles zu - lediglich ein paar Fernsehbilder aus dem Archiv sollen einen Eindruck des englischen Profifußballs vermitteln. Diese dicke Lücke kann auch der ansonsten gelungene Film nicht mehr ausbügeln.

Cleverer als erwartet
Wirklich gelungen ist aber der Einblick in die britische Hooligan-Szene und in die gesellschaftlichen Gegebenheiten im London der 50er Jahre. Baird bekommt es hin sowohl die interessante Lebensgeschichte von Cass zu erzählen, als auch seine zahlreichen Charaktere zu zeichnen. Cass ist einerseits ein sympathischer junger Mann, andererseits ein knallharter Schläger, was es dem Zuschauer nicht leicht macht Stellung zum Thema zu beziehen.
"Cass" ist ein Hooligan-Film der besseren Art. Die (wahre) Geschichte eines ungewöhnlichen Hooligans wird über mehrere Jahrzehnte erzählt und mit interessanten Nebenhandlungssträngen über Cass' Familie oder Freundin abgerundet. Nichtsdestotrotz fehlt der große Hingucker, der mit zwei oder drei kurzen Stadionszenen möglich gewesen wäre - da können auch die zahlreichen Massenprügeleien mit bis zu 100 Statisten nicht drüber hinwegtäuschen.

Fazit: 60 %

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