22. Mai 2014

Despair - Eine Reise ins Licht

© Filmverlag der Autoren

Regie: Rainer Werner Fassbinder
Land / Jahr: Deutschland, Frankreich 1978












Anfang der 30er Jahre befindet sich Deutschland im Umbruch. Der Schokoladenfabrikant Hermann Hermann (Dirk Bogarde) fühlt sich einerseits von seiner naiven Frau Lydia (Andréa Ferréol) betrogen und möchte andererseits eine andere Identität annehmen. Da trifft es sich doch gut, dass er auf den mittellosen Felix (Klaus Löwitsch) trifft. Hermann ist überzeugt, dass Felix ihm wie ein Zwilling ähnelt und bietet ihm 1000 Mark, wenn dieser sich für ihn ausgibt.
Aus dem Kopf des Schriftsteller Vladimir Nabokov, der mit seinem Meisterwerk "Lolita" weltberühmt wurde, in die visionären Hände eines der besten deutschen Filmemachers aller Zeiten: Rainer Werner Fassbinder - "Despair - Die Reise ins Licht" stand von vornherein unter einem besonders guten Stern.
Die Geschichte des Schokoladenmoguls, der lieber ein anderer wäre und des Landes in dem er lebt, das lieber ein anderes sein sollte, funktioniert auf mehreren Ebenen, gehört aber nicht zu Fassbinders feinsten Werken. Dafür fehlt dem Schizo-Trip der Fassbinder-Touch, der nur selten aufkommen kann. Obwohl das Gesamtkonstrukt wirklich gut durchdacht ist, so bleibt Fassbinder dieses Mal unerwartet oberflächlich. Er lässt den Zuschauer keine Sympathie für seinen Protagonisten entwickeln, das Schicksal des immer wahnsinniger werdenden Hermann Hermann berüht kaum - da kann auch die tolle Leistung von Dirk Bogarde nichts ändern.
"Despair - Eine Reise ins Licht" ist eher eine Reise ums das Licht herum, denn zu oft wird nur angedeutet, was eigentlich gesagt und gezeigt werden müsste. Technisch ist diese Nabokov-Adaption in allen Belangen überzeugend, doch diesmal ist es Rainer Werner Fassbinders Regie, die allzu oft nicht auf den Punkt kommt. Für einen der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films ist das zu wenig, generell ist diese ungewöhnliche Allegorie aber einen Blick wert.

Fazit: 65 %

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