18. Mai 2014

Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Der

© Concorde

Regie: Felix Herngren
Land / Jahr: Schweden 2013










Im Altenheim freuen sich schon alle auf den hundertsten Geburtstag von Allan Karlsson (Robert Gustafsson), doch der macht sich kurz vor der Feier einfach aus dem Staub. Auf seiner Flucht verwickelt ihn das Schicksal in eine Geschichte mit einem Koffer voller Geld. Nichts besonderes für Allan, der in der Vergangenheit schon so einiges erlebt hat.
Der Roman über die Abenteuer des uralten Ausreißers verkaufte sich dermaßen gut, dass eine Filmadaption nicht lange auf sich warten. Doch wer soll die Hauptrolle spielen? Einen hundert Jahren alten Darsteller, beziehungsweise einen der aussieht als könnte er in etwa hundert Jahre alt sein, wird man kaum finden können. Erst recht nicht, wenn er noch einigermaßen fit sein soll. So entschieden die Filmemacher einen "jungen" Mann für die Hauptrolle zu casten und ihn auf alt zu schminken. Robert Gustafsson war noch nicht einmal halb so alt wie seine Figur, als er für den Film vor der Kamera stand. Und ehrlich gesagt, ist weder sein Spiel noch die Maske so gut, dass sie es verbergen könnten.
Die Geschichte ist eine Mischung zwischen einer in der Gegenwart spielenden Kriminalstory und einer nahezu epischen Biografie. Die Geschehnisse rund um den Koffer sind zwar amüsant und unterhaltsam, aber weitaus weniger interessant, als die zahlreichen Aufeinandertreffen mit Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Allan ist ein trotteliger Forrest Gump, der von einem Schlamassel ins nächste tappt und bei seinen Episoden mit Franco, Harry S. Truman, Stalin und vielen weiteren unbewusst in der Weltgeschichte rumpfuscht.
Besonders merkwürdig ist der Humor des Filmes. Bitterschwarz und gemein, manchmal sogar moralisch fragwürdig, wird nicht viel Aufhebens um die Sprengung eines Menschen gemacht und auch die Zwangssterilisation durch den Rassenforscher Herman Lundborg ist nicht ganz ohne. Für Kinder ist der Film daher gänzlich ungeeignet, da sie einige mitschwingende Tendenzen gar nicht verstehen oder einordnen können.
"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" ist ein un-schwedischer Abenteuerfilm mit vielen tollen Ideen, dessen Episoden in der Vergangenheit deutlich besser sind, als die Gaunerklamotte in der Gegenwart. Puristen werden sich über einige Auslassungen im Vergleich mit der Buchvorlage ärgern. Kommt man darüber hinweg ist der Rentner-Trip eine willkommene Abwechslung und mutet wie eine schwarzhumorige Version von Forrest Gump an.


Fazit: 65 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen