13. Mai 2014

Mädchen Wadjda, Das

© Koch Media

Regie: Haifaa Al-Mansour
Land / Jahr: Deutschland, Saudia-Arabien 2012












Die kleine Wadjda (Waad Mohammed) möchte um alles in der Welt ein Fahrrad haben, aber für Frauen ziemt es sich in Saudia-Arabien nicht mit einem Fahrrad zu fahren. Da hört Wadjda von einem Koran-Wettbewerb, bei dem es 1000 Rial zu gewinnen gibt. Aus der eher lernfaulen Wadjda wird eine fleißige Schülerin.
In westlichen Filmen wollen junge Menschen Superstars werden oder träumen davon stinkreich zu sein. In "Das Mädchen Wadjda" haben die Figuren ganz einfache und lebensnahe Beweggründe: Wadjda möchte ein Fahrrad und ihre Mutter (Reem Abdullah) will nicht, dass ihr Mann eine Zweitfrau heiratet. Hört sich einfach an, ist beides aber verdammt schwierig.
Noch viel schwieriger waren die Bedingungen für die Dreharbeiten. Das hat zwei gute Gründe: 1. Haifaa Al-Mansour ist eine Frau und somit ist "Das Mädchen Wadjda" der erste Film aus Saudi-Arabien bei dem eine Frau Regie führte, trotz der strikten Geschlechterternnung und 2. Die Religionspolizei erschwerte die Dreharbeiten zusäzlich, da der komplette Film vor Ort in Saudi-Arabien gedreht wurde und viele Szenen in öffentlichen Gebäuden oder auf der Straße spielen.
Das Ergebnis ist überwältigend. "Das Mädchen Wadjda" liefert ungeschminkte Eindrücke aus einer völlig anderen Kultur, nichts Sensationelles, sondern den Alltag in diesem fernen Land. Regisseurin Al-Mansour hat das Kunststück hinbekommen gleichzeitig die bedrückenden Gegebenheiten der Geschlechterrollen darzulegen sowie auch viele kleine Schönheiten ihres Heimatlandes zu zeigen. Wenn in der Schule eine etwa Zwölfjährige erzählt, dass sie mit einem 20-Jährigen verheiratet wurde oder die Schwiegermutter auf der Suche nach einer Zweitfrau für Wadjdas Vater ist, die ihm endlich einen Sohn gebärt, dann bedarf dies keiner künstlichen Dramatik. Gerade das völlig ruhige Verhalten der Figuren und die damit verbundene Selbstständlichkeit solcher Vorgehensweisen entsetzen mehr, als es spannende Musik tun würde.
"Das Mädchen Wadjda" ist ein extrem rarer Einblick in eine ansonsten verschlossene Welt, der völlig zu Recht zahlreiche internationale Filmpreise gewinnen konnte. Die Geschichte erinnert ein wenig an das iranische Meisterwerk "Himmelskinder" von Majid Majidi, das auch eine weit entfernte Gesellschaft aus den Augen eines Kindes zeigte. In Saudi-Arabien lief dieser Film allerdings nicht in den Kinos - weil Kinos im Königreich verboten sind.

Fazit: 80 %

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