28. Juni 2014

Laurence Anyways

© NFP

Regie: Xavier Dolan
Land / Jahr: Kanada, Frankreich 2012












Laurence Alia (Melvil Poupaud) lebt mit seiner Freundin zusammen und ist erfolgreicher Dozent. Doch Laurence hegt einen ungewöhnlichen Wunsch: Er würde gerne Frauenkleider tragen. Eines Tages fasst er sich ein Herz und erzählt seiner Freundin von seiner Neigung. Als er das erste Mal in Frauenkleidern zur Arbeit geht, beginnt sich sein Leben radikal zu ändern.
Die Transvestiten-Romanze "Laurence Anyways" kommt wirklich in einem ganz anderen Gewand daher, als es zuerst den Anschein macht. Der Film läuft ohne wirkliche Längen über 161 Minuten und bringt das 80er/90er-Jahre-Feeling fantastisch rüber, als ob er tatsächlich in dieser Zeit gedreht worden wäre. Zusätzlich sehr mutig, aber vollends überzeugend ist die Wahl von Melvil Poupaud als Hauptdarsteller. Dieser kommt eigentlich kein bisschen weiblich rüber, ist aber trotzdem sehr glaubwürdig in seiner Rolle als Transvestit.
Dem noch sehr jungen Regisseur Xavier Dolan gelingt das schwierige Kunststück, den Zuschauer in die Situation seines Protagonisten zu versetzen. Die Überwindung sich das erste Mal in der Öffentlichkeit zu zeigen fühlt man mit und auch das Unwohlsein, dass die bohrenden Blicken der Menschen auf den Straßen verursachen, geht nicht spurlos am Zuschauer vorbei. Es geht hier nicht nur um die gesellschaftliche Akzeptanz, sondern auch um den psychischen Umbruch des Protagonisten.
Auch technisch ist "Laurence Anyways" mehr als überzeugend. Kamera und Schnitt sind sehr gut durchdacht und wunderbar komponiert. "Laurence Anyways" ist kein Transvestiten-Drama, sondern eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte angesiedelt in der Welt der Intellektuellen. Insgesamt ist der Film ein Hermaphrodit: Sowohl aus technischer Sicht ein Kunstwerk, als auch inhaltlich äußerst humanistisch. Ungewöhnlich, anders und überaus sehenswert.
Fazit: 85 %

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