16. Juli 2014

Berberian Sound Studio

© Rapid Eye

Regie: Peter Strickland
Land / Jahr: Großbritannien 2012












Italien in den 70ern: Sound-Ingenieur Gilderoy (Toby Jones) tritt seinen neuen Job in einem Tonstudio an. Zu seiner Verwunderung soll er die Toneffekte für einen besonders grausamen Horrorfilm erstellen - eigentlich überhaupt nicht sein Genre. Zudem kommt Gilderoy nicht mit der italienischen Mentalität zurecht.
Vom sonnigen Italien bekommt nicht nur Gilderoy, sondern auch der Zuschauer nichts zu sehen, denn "Berberian Sound Studio" spielt fast ausschließlich in den dunklen Räumen des Tonstudios. Szenen des extrem gewalttätigen Splatterfilm des italienischen Regisseurs Giancarlo Santini (Antonio Mancino) geschehen allesamt in den Köpfen der Zuschauer, denn all die Grausamkeiten erfährt man nur über Toneffekte und Stimmen oder über kleine Szenenbeschreibungen.
Und gerade da liegt der Reiz des Filmes. Regisseur Peter Strickland spielt mit dem Zuschauer und schockiert ohne auch nur den Ansatz von davon Szenen aus dem Film zu zeigen. Ein Priester sticht auf eine Hexe ein - was man zu sehen bekommt ist Gilderoy, der im Studio Gemüse zerhackt. Das ist einerseits skurill, andererseits auch ein wenig lustig. Insgesamt schafft es Strickland aber so, dass sich die nicht gezeigten Filmausschnitte im Kopf des Zuschauers abspielen.
Abgesehen davon ist auch das Setting sehr gelungen. Splatterfilme im Italien der 70er Jahre - einen besseren Ort, eine bessere Zeit hätte man gar nicht wählen können. Zudem gefällt natürlich nicht nur der tolle Ton des Filmes, sondern auch die teilweise sehr künstlerische Inszenierung.
Eigentlich ist "Berberian Sound Studio" einer der besten Mystery-Horrorfilme der vergangenen Jahre, aber das sehr stark an die Filme von David Lynch erinnernde wirre Finale kann leider gar nicht gefallen und zieht das Gesamtwerk in den letzten zehn Minuten arg runter. Dennoch ein sehenswerter, vor allem weil ungewöhnlicher Psychotrip, der Erinnerungen an die Splatter-Klassiker Lucio Fulcis oder Dario Argentos hervorruft.

Fazit: 65 %

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