19. August 2014

Schaum der Tage, Der

© Arthaus

Regie: Michel Gondry
Land / Jahr: Frankreich, Belgien 2013












Lebemann Colin (Roman Duris) lernt auf einer Feier Chloé (Audrey Tautou) kennen und verliebt sich sofort in sie. Das Pärchen lebt wie in einer Traumwelt, ohne Probleme, ohne Streit. Doch dann wird Chloé krank. Eine Seerose wächst in ihrer Lunge und Chloé droht daran zu ersticken.
Der Kultroman "Der Schaum der Tage" von Boris Vian galt lange Zeit als nicht verfilmbar, die surrealen Szenerien als bildlich kaum umsetzbar. Doch mittlerweile ist zwar fast alles technisch machbar, aber es bedarf auch einer Menge Fantasie und kreativer Impulse solch ungewöhnliche Geschichten adäquat auf die Leinwand zu bringen und der Vorlage gerecht zu werden. Michel Gondry ("Vergiss mein nicht", "Abgedreht") ist dafür definitiv eine ausgezeichnete Wahl. Seine Filme strotzen nicht nur von märchenhaften Ideen, die Effekte haben bei ihm mehr etwas Künstlerisches, als etwas Künstliches.
"Der Schaum der Tage" ist ein liebevoller Trip, der vor skurrilen Momenten nur so strotzt - fast wie eine drogenfreie Version von "Fear and Loathing in Las Vegas". Selbst für einen Gondry-Film gibt es überdurchschnittlich viel zu entdecken. Das ist zwar optisch immer schön, manchmal aber auch inhaltlich fragwürdig. Die Ralley-Fahrt zum Traualter wirkt zum Beispiel gänzlich überflüssig.
Das meiste Potential verschenkt "Der Schaum der Tage" aber im letzten Drittel. Gondrys Film wird düster, traurig, tragisch. Die Bilder sind in schwarz/weiß gehalten. Zwar funktionieren die traumhafte Romantik und charmante Komik, aber in den ernsteren Szenen kann der Film die Zuschauer nicht mehr mitreißen. Wer sich vorher mit Colin und Chloé gefreut hat, kann am Ende aber nicht mit ihnen trauern.
"Der Schaum der Tage" ist eine wunderbar fantasievolle Liebeskomödie, die vor allem durch den ungewöhnlichen Gondry-Stil gefällt. Doch der Franzose ist ein König der positiven Emotionen und versagt im Finale, weil es pseudo-traurig wird. Für depressive Momente sind die Sphären des Gondry einfach nicht geschaffen. Die ersten anderthalb Stunden sind aber typisch unterhaltsam.

Fazit: 65 %

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