25. September 2014

Brügge sehen. . . und sterben

© TOBIS

Regie: Martin McDonagh
Land / Jahr: Großbritannien, USA 2008












Nach einem schiefgelaufenen Auftrag müssen die Killer Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) im belgischen Brügge untertauchen. Was beide jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Boss Harry (Ralph Fiennes) will, dass Ken den miesgelaunten Ray im beschaulichen Brügge um die Ecke bringt.
"Brügge sehen. . . und sterben" ist einer dieser schwarz-humorigen Thriller im Stile von "Snatch - Schweine und Diamanten" oder "In China essen sie Hunde". Allerdings ist Martin McDonaghs Filme noch eine gute Idee düsterer und gemeiner als die anderen Vertreter des Subgenres. Allein die Art und Weise, wie Ray den Job vermasselt hat ist ungewöhnlich schaurig für eine Hauptfigur. Auch, dass er der wunderschönen Stadt nichts abgewinnen kann oder sein respektloser Umgang mit dem kleinwüchsigen Jimmy (Jordan Prentice), den er stets als "Gnom" bezeichnet, verleihen ihm nur wenige Sympathien.
Regisseur McDonagh scheint ebenfalls nur wenig Sympathien für seine Figuren zu haben. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, Haupt- oder Nebenrolle - niemand ist sicher vor dem Grimm des Autorenfilmers. Auch nicht der Humor. McDonagh verleitet den Zuschauer dazu über Behinderungen, Dummheit, Tode und Fettleibigkeit zu lachen. Erstaunlicherweise schafft er dies mit seinen leider etwas rar gesäten Gags ohne unter die Gürtellinie zu schlagen - auch wenn es manchmal wirklich knapp ist.
Trotz aller Makel sind die Figuren aber weder skrupel- noch herzlos. Ray hadert den gesamten Film über mit seinem letzten Auftrag und findet Interesse an der hübschen Chloe (Clémence Poésy), die ihn aber nur über den Tisch ziehen will. Der wesentlich erfahrenere Killer Ken hat hingegen große Probleme damit den Neuling umzubringen und findet Gefallen an dem romantischen Städtchen. Und selbst der abgebrühte Boss Harry steht zu seinen Prinzipien und schwärmt von seinen Kindheitserinnerungen in dem belgischen Weltkulturerbe.
Mit seinem Erstling "Brügge sehen. . . und sterben" findet der schwarzhumorige Martin McDonagh direkt zu seinem Stil. Der Film ist wunderbar schlicht, aber gekonnt inzeniert. Vier Jahre später inszenierte McDonagh "7 Psychos", der aber nicht an die melancholische Stimmung von "Brügge sehen. . . und sterben" heranreichen kann. Daran könnte auch die verträumte titelgebende Stadt ihren Anteil haben. Ein paar mehr Lacher hätten dem Film aber definitiv nicht geschadet.

Fazit: 75 %

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