9. September 2014

Nicht mein Tag

© Sony

Regie: Peter Thorwarth
Land / Jahr: Deutschland, Niederlande 2014












Till Reiners (Axel Stein) ist Bankangestellter, Ehemann, Vater und vor allem von seinem Leben gelangweilt. Da trifft es sich gut, dass der Kriminelle Nappo (Moritz Bleibtreu) sich gerade Tills Bank für einen Überfall ausgesucht hat und den Spießer als Geisel nimmt.
Peter Thorwarth hat einen wunderbar eigenen Stil, der sich nicht an den typischen deutschen Welterklärerdramen orientiert. Er hat einerseits mit "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding" einen der besten, kultigsten und lustigsten Ruhrgebietsfilme aller Zeiten abgeliefert, konnte mit dem eher schwachen, weil langweiligen "Goldene Zeiten" aber nicht an diesen Erfolg anknüpfen. Acht Jahre hat es gedauert, bis Thorwarth sich erneut mit einem Gangster-Roadmovie auf die große Leinwand wagt.
"Nicht mein Tag" ist  aber in vielen Aspekten anders als die früheren Werke Torwarths. Die Ruhrgebiets-Atmosphäre wird nur oberflächlich angekratzt. Und so richtig prollig wird es nur bei den vielen kleinen Kurzauftritten, zum Beispiel von Ralf Richter als kleinkrimineller Autoschieber Langer oder wenn Nappo einen seiner charmant-asozialen Sprüche ablässt. Das sind die Momente auf die der Zuschauer wartet und die sind zwar nicht so reichhaltig gestreut wie in "Bang Boom Bang", aber wesentlich großzügiger als in dessen Nachfolger "Goldene Zeiten".
Sehr spießig, sogar schon zu zugeknöpft ist Axel Stein geworden. Sein Till ist zwar sympathisch, aber leider auch die unlustigste Figur in diesem Roadmovie. Er ist eher der Sündenbock, der viel einstecken muss. Nicht nur von den Kriminellen, sondern auch von seiner Ehefrau, die ihn nicht wirklich resprektiert.
Den Bruch erfährt der Film etwa in der Mitte, wenn Till nach dem Grenzübergang nach Holland plötzlich aus sich rauskommt und selbst einige brenzliche Situationen im Alkohol- und Drogenrausch initiiert. Und obwohl Till mal so richtig konpromisslos die Sau rauslässt, bleibt er vor allem in Punkto Lockerheit weit hinter Bleibtreus Nappo zurück.
"Nicht mein Tag" ist ein gelungenes Comeback von Peter Thorwarth. Der Film ist, vor allem gagtechnisch, von dem Flair von "Bang Boom Bang" zwar noch meilenweit entfernt, versprüht aber seinen eigenen Charme. Thorwarth macht Filme wie man sie nur sehr selten aus deutscher Produktion kennt. Dieser Umstand, jede Menge cooler Sprüche (meistens von Moritz Bleibtreu) und eine lockere Atmosphäre, der leider das Ruhrgebiet fehlt, ergeben einen kurzweiligen Trip mit skurrilen Figuren.

Fazit: 65 %

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