13. September 2014

Sag nicht, wer du bist!

© KOOL

Regie: Xavier Dolan
Land / Jahr: Kanada, Frankreich 2013











Tom (Xavier Dolan) besucht die Familie seines verstorbenen Freundes zu dessen Beerdigung auf dem Lande. Was diese jedoch nicht weiß: Ihr Sohn war homosexuell. Francis (Pierre-Yves Cardinal) ahnt jedoch, in welcher Beziehung Tom mit seinem Bruder lebte. Damit Mutter Agathe (Lise Roy) nicht davon erfährt, ist Francis jedes Mittel recht.
Ausnahmetalent Xavier Dolan ist gerade einmal 25 Jahre alt und gilt schon jetzt als einer der besten Regisseure aus Kanada - und das zu recht. "Laurence Anyways" ist ein wunderbar unkonventionelles Transvestiten-Dram, das auf fast jedem Level überzeugen kann. Wesentlich einfacher und ruhiger ist "Sag nicht, wer du bist!", bei dem der Wunderkanadier nicht nur die Regie führte, sondern auch die Hauptrolle spielt, das Drehbuch schrieb, die Kostüme desginte und den Schnitt übernahm.
Ein Anzeichen davon, dass er sich hierbei übernommen hatte, gibt es nicht. Die Bilder sind gleichermaßen originell sowie schlicht, die Figuren keineswegs klischeehaft und die Story nie absehbar. Letzteres hängt aber auch damit zusammen, dass sie keineswegs so gradlinig und logisch wie noch in "Laurence Anyways" ist. Im letzten Drittel Ende hin kommt eine merkwürdige und abgedrehte Komponente hinzu, die der Film eigentlich nicht benötigt hätte.
Und das ist wirklich bedauerlich, denn "Sag nicht, wer du bist!" zieht den Zuschauer direkt in seinen Bann. Das liegt vor allem daran, dass Informationen immer nur in kleinen Häppchen kredenzt werden. Viel muss man sich selbst zusammenbauen, denn Dolan macht es dem Zuschauer nicht so leicht und versteckt das Gros der Infos in den schön komponierten Bildern.
Den Vergleich mit seinem bisherigen Meisterstück "Laurence Anyways" kann Dolan mit "Sag nicht, wer du bist!" nicht standhalten. Dafür bleiben nicht nur zu viele Fragen offen, auch die Abdriftungen, manchmal bis hin zum Absurden, ziehen dem Film herunter.  "Laurence Anyways" war klar, eindeutig und mutig, bei diesem Thriller bleibt allerdings nur der Mut übrig. Trotz dieses Mangels ist "Sag nicht, wer du bist!" aber dennoch ein interessanter Trip auf eine abgelegene kanadische Farm.

Fazit: 65 %

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