21. September 2014

Schoßgebete

© Constantin

Regie: Sönke Wortmann
Land / Jahr: Deutschland 2014












Elizabeth Kiehl (Lavinia Wilson) kann nicht über den Tod ihrer drei jüngeren Geschwister hinwegkommen, die bei einem Autounfall ums Leben kamen. Seitdem fühlt sie sich von der Presse verfolgt und hat Panikattacken. Nur beim Sex kann sie völlig abschalten und lebt ihre Gelüste zusammen mit ihrem Mann Georg (Jürgen Vogel) aus.
Beruhend auf dem Bestseller von Charlotte Roche tritt dieser Skandalroman in die Fußstapfen ihres Erstlings "Feuchtgebiete". Genau wie in der Story über die experimentierfreudige Helen sind die Figuren auch hier keine Stereotypen. Sie sind sogar sehr weit davon entfernt. Das liegt in diesem Fall auch daran, dass der Film eine Menge autobiografischen Materials enthält.
Verwoben wird die traurige Familien-Geschichte von Roche, deren Geschwister bei der Reise zu ihrer Hochzeit verunglückten, mit teilweise fiktiven Sexabenteuern in der Gegenwart. Dabei ist nicht immer klar, wie viel erfunden ist und wie viel auf wahren Erlebnissen beruht.
Während die Sexperimente bei "Feuchtgebiete" aber noch Charme und eine gewisse Unschuldigkeit hatten, so wirken die kleinen Geschmacklosigkeiten hier manchmal erzwungen. Der Nebenhandlungsstrang um die Würmer, die sich in den Därmen ihrer Familie verbreiten ist zum Beispiel recht überflüssig und vermittelt den Eindruck, als wenn Roche unbedingt ein paar Skurrilitäten in ihrer Geschichte haben wollte.
Perfekt gelungen ist aber die Wahl von Lavinia Wilson, die nicht nur optisch an Roche erinnert, sondern auch ihren sympathischen Freakfaktor überzeugend rüberbringt. Nicht minder gut ist auch Jürgen Vogel, ihr charakterlicher Gegenpool. Er ist ruhig und bedacht, sie kontrollsüchtig und ausgeflippt.
Sönke Wortmann hat zwar einen unterhaltsamen und interessanten, aber auch sehr unausgeglichenen Film abgeliefert. Amüsante Momente wechseln sich mit den todtraurigen Flashbacks ab. Wenn er von dem grausamen Unfall mit einem harten Schnitt auf die Anal-Würmer-Handlung schneidet, macht das einen pietätlosen Eindruck. Dafür holen seine Darsteller eine Menge in dieser kostspieligen deutschen Kinoproduktion raus.

Fazit: 60 %

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