21. Oktober 2014

Am Sonntag bist du tot

© Ascot Elite

Regie: John Michael McDonagh
Land / Jahr: Irland, Großbritannien 2014












Gläubigen die Beichte abzunehmen ist für Father James (Brendan Gleeson) ein tägliches Prozedere. Eines seiner Schäfchen erzählt ihm eines Tages von Vergwaltigungen durch einen Priester in der Kindheit. Da der Täter aber schon gestorben ist, soll nun der unschuldige Father an dessen Stelle am nächsten Sonntag sterben. Und der fromme Mann nimmt das Beichgeheimnis sehr ernst. . .
In seinem erstklassigen "The Guard - Ein Ire sieht schwarz" ließ Autorenfilmer John Michael McDonagh Brendan Gleeson noch einen Mord in einem Provinzkaff aufklären. Jetzt sieht sich Gleeson einem angedrohten Mordfall gegenüber. Und während er hinter der Geheimnis der Mordrohung kommen will, stellt er kaum ernsthafte Ermittlungen an.
Vielmehr unterhält sich der gutherzige, wenn auch nicht fehlerlose Father mit den Schäfchen in seiner kleinen Dorfgemeinde. Dorftrottel sind das allerdings nicht, sondern so richtig schwarze Schafe und zwar alle. Der arrogante Snob, der auf sein Gemälde pisst, der dunkelhäutige Autoschrauber, der im Verdacht steht, seine Affäre verprügelt zu haben und auch der durchgeknallte Milo, der sich gerne Transvestiten-Pornos ansieht.
Einziger Makel an McDonaghs Figuren: Sie sind alle derart ausgeflippt, derart überdreht, dass sie manchmal überzeichnet wirken und eher wie Zeichentrickfiguren, als wie echte Menschen. Und schon gar nicht entspricht auch nur einer von ihnen dem Stereotyp des Dorfbewohners. Gut gespielt wird aber jede einzelne Figur.
Am besten gefällt jedoch das Drehbuch. Es reiht Dialog and Dialog, jeder von ihnen führt in eine andere Richtung, die Gespräche sind eine Mischung aus Tiefgang und Perfidität mit Anspielungen auf Kunst und Kultur. Ab und an gibt es auch kleine Szenen, in denen McDonagh einfach nur sagen will: Ihr Menschen seid Idioten. Zum Beispiel wenn ein Familienvater den freundlichen Father anschreit, weil sich dieser mit seiner kleinen Tochter unterhält.
Im Original heißt der Film "Calvary", das englische Wort für den Hügel Golgotha, auf dem Jesus gekreuzigt wurde. Und genau darum geht es: Der unschuldige Father James muss für die Sünden anderer leiden. Das Ergebnis ist ein intelligentes, schwarzhumoriges Drama mit Thrillerelementen. Die Figuren sind zwar überzeichnet und McDonagh reiht die Dialoge aneinander, ohne das viel passiert, aber dennoch ist "Am Sonntag bist du tot" ein prächtig gelungener Film aus dem wunderschönen Irland (was auch immer wieder in kurzen Landschaftsaufnahmen bestätigt wird).

Fazit: 75 %

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