25. November 2014

Boyhood

© UPI

Regie: Richard Linklater
Land / Jahr: USA 2014












Mason (Ellar Coltrane) ist sechs Jahre alt, genervt von seiner Schwester Samantha (Lorelei Linklater) und spielt lieber Videospiele als draußen im Grünen. Während er älter wird, verliebt sich seine Mutter (Patricia Arquette) immer wieder neu und er entwickelt eine Leidenschaft für die Fotografie.
Technisch ist "Boyhood" ein absoluter Triumpf. Eine fiktive Familie zwölf Jahre lang beim Älterwerden zu begleiten ist in dieser Form noch nie passiert. Alle 20, 30 Minuten springt der 165-Minuten-Film ein paar Jahre in der Zeit - Alle paar Jahre traf man sich also, um ein paar Minuten Film zu drehen. Das ist ein unfassbar mutiger, ambitionierter und vor allem unabsehbarer Plan. Autorenfilmer Linklater wusste selbst nie so wirklich, wohin ihn seine Geschichte führen wird.
Dabei ist das Werk ein weiteres Zeitexperiment Linklaters. Seine inhaltlich und stylistisch geschmackvollen "Before"-Filme ("Before Sunrise", "Before Sunset" und "Before Midnight"), die im Abstand von jeweils zehn Jahren entstanden, begleiten immer ein und dasselbe Pärchen im Laufe der Zeit. Bei "Boyhood" ist das ganze Experiment sogar noch um einige Zeitdimensionen vergrößert und auf eine epische Breite angelegt.
Doch inhaltlich kann sein stilsicherer Film nicht mit der bahnbrechenden Inszenierung mithalten. Zwar sind alle Erlebnisse schön und liebevoll erzählt. Aber Linklater beendet seine Episoden oftmals genau dann, wenn es interessant wird. So würde man zum Beispiel mehr von dem prügelnden und trinkenden Ehemann Nummer zwei, Bill (Marco Perella), erfahren. In Momenten wie diesen bleibt "Boyhood" leider viel zu seicht.
Richard Linklaters Jungen-Epos "Boyhood" ist als würde man mehrere Folgen "Wunderbare Jahre" hintereinander gucken - mit dem Unterschied von fast 50 Jahren. Allerdings kann der Film nicht das halten, was seine monumentale Umsetzung verspricht: Ein wenig mehr Dramatik hätte "Boyhood" definitiv gut getan.

Fazit: 80 %

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