3. November 2014

Le Passé - Das Vergangene

© Arthaus

Regie: Asghar Farhadi
Land / Jahr: Frankreich, Italien 2013












Ahmad (Ali Mosaffa) reist aus dem Iran nach Frankreich, um seine Scheidung von Marie (Bérénice Bejo) rechtkräftig machen zu lassen. Während seines kurzen Aufenthaltes gerät er ungewollt zwischen Marie und ihren neuen Freund Samir (Tahar Rahim).
In seinem mit dem Auslandsoscar ausgezeichneten Meisterwerk "Nader und Simin - Eine Trennung" hat der einfühlsame iranische Regisseur Asghar Farhadi gesellschaftliche Probleme in seiner Heimat Iran am Beispiel einer Familie gezeichnet. Diesmal verlegt er den Mikrokosmos auf den europäischen Kontinent und erzählt eine dramatische, aber unaufgeregte Scheidungsgeschichte.
Und wie er das macht. Er versteht er wieder einmal, sich perfekt in seine Figuren einzufühlen, egal ob alt oder jung, egal ob Mann oder Frau. Jeder verhält sich wie ein normaler, völlig durchschnittlicher Mensch. Erstaunlich dabei ist, dass der Film trotzdem spannend ist, obwohl die Handlung sich nur langsam entwickelt und nichts Sensationelles geschieht.
Es ist auch den sensationellen Darstellerleistungen zu verdanken, dass "Le Passé - Das Vergangene" so gut funktioniert. Sogar der kleine Elyes Aguis begeistert in seiner Rolle als Samirs Sohn Fouad und kann mit den Großen mithalten. Das ist schon bemerkenswert, schließlich hat er mehrere dramatische Szenen.
Ganz im Stile des französischen Autorenkinos stammt auch das Drehbuch von "Le Passé - Das Vergangene" wieder aus Farhadis Feder. Er erzählt wieder eine Trennungsgeschichte, die sich plötzlich in ungeahnte Richtungen weiterentwickelt und immer mehr Menschen in ihre Fänge zieht. Aus der kleinen Ausgangssituation wuchert sie regelrecht und bleibt dabei niemals absehbar, aber konsequent logisch.
"Le Passé - Das Vergangene" ist ganz kleines Kino, dass über sich hinauswächst. Autorenfilmer Farhadi lässt es sich nicht anmerken, dass seine Mentalität Ursprung im islamisch geprägten Iran hat. Ihm gelingt ein intimerer und genauerer Einblick in ein französisches Familienleben, als den meisten Regisseuren aus Frankreich. Ein Meisterwerk wie "Nader und Simin - Eine Trennung" ist der Film aber nicht, dafür ist er einfach nicht spannend genug.

Fazit: 80 %

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