31. Dezember 2014

Honig im Kopf

© Warner

Regie: Til Schweiger
Land / Jahr: Deutschland 2014












Nach dem Tod seiner Frau zieht der an Alzheimer erkrankte Amandus (Dieter Hallervorden) zu der Familie seines Sohnes Niko (Til Schweiger). Während er mit Enkelin Tilda (Emma Schweiger) bestens auskommt, führt das Fortschreiten seiner Krankheit zu immer mehr Problemen mit seiner Schwiegertochter Sarah (Jeanette Hain).
Ausgestattet mit Fantasy-Namen wie Amandus, Tilda, Smylla und vielen anderen Sonderlichkeiten schickt Kassenerfolgsgarant Til Schweiger eine beschauliche Cast in seinen überlangen Kitschfilm "Honig im Kopf". Neben der üblichen Schweiger-Film-Cast ist Dieter "Didi" Hallervorden in einer der tragenden Rollen zu sehen. Der ehemalige Quatschkönig spielt alle an die Wand und ist der einzige schauspielerische Lichtblick in "Honig im Kopf".
Tils untalentierte, aber mittlerweile wenigstens ein bisschen routinierte Tochter Emma kann ebenso wenig überzeugen wie ihr Vater und ihre bestensfalls durchschnittliche Filmmutter Jeanette Hain. In ein paar Einstellungen bekommt man auch Sänger Udo Lindenberg zu sehen. Einfach nur so, völlig ohne Grund - Herr Schweiger protzt einfach mal gerne mit seinen Bekanntschaften.
Gelacht werden darf auch, allerdings nur selten ohne Scham. Mehrere Male wird im Film uriniert (davon einmal tatsächlich lustig), die Figuren reden gerne mal über das "Kacken", Furzwitze sind ebenso willkommen und alte Frauen sprechen gerne vom "Ficken". Auf dem Gipfel der Peinlichkeiten darf man auch den Eltern nochmal beim hollywood-übertriebenen "Ficken" zuhören.
Apropos Hollywood. Schweiger versucht überhaupt keinen europäischen, geschweige denn deutschen Film zu drehen - er distanziert sich zwanghaft. Es fängt schon damit an, dass die Mitarbeiter mit ihren englischen Arbeitstiteln gelistet werden. Martin Schlecht ist hier nämlich nicht der Kameramann, sondern der "Cinematographer". Alles mutet an wie eine billige US-Kopie.
Als wäre das alles nicht schon genug, ist "Honig im Kopf" extrem hektisch geschnitten. Man wird das Gefühl nicht los, als wolle Schweiger zwanghaft alle Einstellungen mindetens einmal verwenden, die er auch gedreht hat. Besonders kreativ ist er dabei so gut wie nie. Die Bilder sind so routiniert und uninnovativ, als hätte eine Maschine entschieden wie gedreht werden soll.
Abseits einer nett gemeinten Ursprungsidee und eines ausgezeichneten Dieter Hallervorden ist "Honig im Kopf" ein viel zu langer Kitsch-Hausfrauen-Film im Stile der kleinen Schundromane, die man immer an der Supermarkt-Kasse kaufen kann. Warum wurde nicht einfach die völlig inhaltsfreie zehnminütige Begegnung mit den Nonnen komplett rausgenommen? Warum soll man permanent über den Verlust von Körperflüssigkeiten lachen? Und warum können so viele Menschen nicht unterscheiden zwischen niveaulos-sentimental und geschmackvoll-gefühlvoll?

Fazit: 30 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen