16. Dezember 2014

Zeit der Kannibalen

© Farbfilm-Verleh

Regie: Johannes Naber
Land / Jahr: Deutschland 2014












Frank Öllers (Devid Striesow) und Kai Niederländer (Sebastian Blomberg) sind extrem gut im Geschäft, wickeln in einem Luxus-Hotel in Lagos, Nigeria, einen Deal nach dem anderen ab. Als dann die junge Bianca März (Katharina Schüttler) zum Team dazu stößt, gerät der Businessplan ins Wanken.
Kannibalen sind Menschen, die andere Menschen essen. Und obwohl Öllers und Niederländer niemanden beißen, lediglich vielleicht mal ein paar Damen vernaschen, sind sie echte Menschenfresser. Kaltherzig und nur auf Geld und Erfolg ausgerichtet vernichten sie Existenzen.
Dass der gesamte Film lediglich in ein paar Räumen eines Prunkhotels im nigerianische Lagos spielt, stört dabei überhaupt nicht. Denn die feinen Herrschaften interessieren sich kein Stück für Land und Leute, sondern nur für deren Liquidität. Als draußen Bomben hochgehen und Schüsse zu hören sind, quittieren sie das mit: "Jeden Tag das Gleiche da draußen." Davon bekommen sie natürlich nichts wirklich mit, lassen Sie es sich doch mit teurem Wodka und Zimmerservice ganz gut gehen.
Wie perfide und abgezockt die beiden Herren sind, da zeigt sich als Öllers einem Zimmermädchen Scheine für ein bisschen Zuwendung zusteckt. Oder in den zahlreichen Momenten, in denen Niederländer das Hotelpersonal beschimpft und sogar körperlich attackiert - wegen Kleinigkeiten wie einer Mücke im Zimmer zum Beispiel.
Verpackt wird das sozialkritische Kammerspiel in bissige Dialoge. Die Herren sind zynisch, sarkastisch, bitterböse. Kannibalen in schicken Anzügen eben, die über Leichen gehen. Regisseur Johannes Naber und Drehbuchschreiber Stefan Weigl gilt es im Auge zu behalten. Das Duo liefert einen ungewöhnlich bissigen Film ab, der sich einiges traut und sich fernab der üblichen Klischees bewegt.
"Die Zeit der Kannibalen" wird einerseits von seinen sehr guten Schauspielern, andererseits von seinem tollen Drehbuch getragen. Johannes Nabers Kannibalen sind bissige seelenlose Egoisten, die sich noch nicht einmal untereinander trauen können. Davon wünscht man sich einen Nachschlag. Nichts für Gutmenschen.

Fazit: 75 %

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