26. Januar 2015

Blau ist eine warme Farbe

© Wild Bunch

Regie: Abdellatif Kechiche
Land / Jahr: Frankreich, Tunesien, Belgien, Spanien 2013












Die Teenagerin Adèle (Adèle Exarchopoulos) wächst in einem behüteten Elternhaus auf. Während sich andere Mädchen für Jungs interessieren, freundet sie sich in einer Lesbenbar mit der Studentin Emma (Léa Seydoux) an. Zwischen den beiden entsteht eine Liebe, die Adèles Umfeld nicht verstehen kann.
"Blau ist eine warme Farbe" weist einige Parallelen zu dem fantastischen Transvestiten-Werk "Laurence Anyways" auf. Erzählt wird auch hier eine Lebensgeschichte über sexuelle Neigungen, angesiedelt in der Welt der Intellektuellen. Dafür nimmt sich auch Kechiche eine Menge Zeit, denn "Blau ist eine warme Farbe" ist mit 179 Minuten Laufzeit ein Mammutfilm.
Doch in dieser Zeit entwickeln sich die Figuren immer weiter, Adèle wächst von einer schüchternen Teenagerin zu einer Frau mit eigenem Willen heran. Emma hat sich schon während ihres Studiums der Kunst verschrieben, macht Adèle zu ihrem Model und bringt sie in Kontakt mit ihren kunstverliebten Freunden. Kechiche begeht in seinem Film nicht den Fehler sich auf eine Seite zu stellen, orientiert sich nicht an Klischees gegenüber dem Bürgertum oder der intellektuellen Kunstszene.
In einigen Kinos lief der Film aufgrund seiner Länge in zwei Teilen unter dem Titel: "Das Leben von Adèle – Kapitel 1&2". Und diesen Bruch zwischen den beiden Hälften bemerkt man schon deutlich. In der einen Szene lebt Adèle noch mit ihren Eltern zusammen und ist die Teenagerin, in der nächsten Szene wohnt sie schon mit Emma zusammen und ist eine erwachsene Frau. Hier kommt das Gefühl auf, als habe man noch einiges aus dem Film geschnitten.
Nach dem Dreh sprachen sich beide Darstellerinnen aus, nie wieder mit Kechiche drehen zu wollen. Er habe sie gedemütigt, die teilweise sehr deutlichen Sexszenen gehen ein wenig über die Grenze hinaus. Das diese Vorwürfe nicht ganz unberechtigt sind machen auch die Altersfreigaben deutlich. In Großbritannien ist der Film erst ab 18 Jahren freigegeben, in den USA wurde ihm sogar das R-Rating verweigert, sodass es kaum eine Möglichkeit gibt ihn in den Staaten im Kino zu sehen. Auch wenn die Nackszenen hier und da etwas überdeutlich und überlang sind, passen sie gut in den Film und erwecken nicht den Eindruck von purem Selbstzweck. Das gesamte Werk ist eine wunderbar intelligente Liebesgeschichte und die anstrengenden Dreharbeiten haben sich gelohnt: "Blau ist eine warme Farbe" wurde mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet.

Fazit: 85 %

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