19. Januar 2015

Child of God

© Lighthouse

Regie: James Franco
Land / Jahr: USA 2013












Der Rumtreiber Lester Ballard (Scott Haze) hat sich eine kleine Hütte im Wald angeeignet. Er lebt von dem was ihm vor die Flinte läuft oder was er auf die Schnelle klauen kann. Als er dann ein Auto am Straßenrand findet, mit einem toten Pärchen drin, beklaut er den Mann und nimmt die Frauenleiche für ein paar schöne Tage mit. . .
Schauspiel-Star James Franco arbeitet hinter der Kamera am liebsten berühmte Bücher von US-Schriftstellern auf. Von William Faulkner brachte er bereits "As I Lay Dying" und "Schall und Wahn" auf die Leinwand, von Cormac McCarthy adaptiert er "Child of God". Während die Filme in denen er als Darsteller tätig ist richtig Geld kosten, so sind seine Regiearbeiten größtenteils kleinere Werke.
Mit erstaunlich niedrigem Arthouse-Faktor stellt er nun die Frage, welche Menschen Kreationen Gottes sind - und welche doch eher nicht. Und der gute Lester Ballard gibt sich wirklich redliche Mühe, nicht in diese Kategorie zu passen. Der Protagonist von "Child of God" hat nämlich keinen einzigen positiven Charakterzug. Er denkt nur an sich selbst, lügt, stiehlt, tötet und vergeht sich sogar mehrfach an Frauenleichen. Keine leichte Kost fürwahr. Vor allem nicht, da man Lester bei all diesen fragwürdigen Hobbys mehrfach zusehen darf.
Als dann klar wird, wer hinter dem Berg an Frauenleichen steckt, mobilisiert sich der Lynchmob, zu dem auch Regisseur James Franco selbst in einer kleinen Rolle gehört. Gleiches soll mit Gleichem vergolten werden, damit der kleine Ort endlich wieder in Frieden leben kann.
Die düstere Mär vom Ur-Asozialen stellt einerseits die Frage wieviel Lester Ballard in einem selbst steckt und ob es Grenzen des Menschseins gibt. Dabei beschränkt sich Franco darauf die Geschichte interessant und spannend umzusetzen. Weniger geht es ihm eine gute Psychoanalyse von Ballard zu bieten. Er schockiert, wegsehen kann man nicht. "Child of God" ist selbst für den kritischen Cormac McCarthy noch ungewöhnlich pessimistisch.

Fazit: 65 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen