17. Januar 2015

Enemy

© Capelight

Regie: Denis Villeneuve
Land / Jahr: Kanada, Spanien 2013












Per Zufall entdeckt Uni-Dozent Adam Bell (Jake Gyllenhaal) in einem Spielfilm einen Mann, der genauso aussieht wie er selbst. Völlig verblüfft, will er den Unbekannten treffen, der auch in Toronto wohnt. Doch obwohl beide Männer äußerlich nicht auseinander zu halten sind, ist der Schauspieler Anthony extrovertiert, während Adam eher verschlossen ist.
Hat sich nicht jeder schon einmal die Frage gestellt, ob es irgendwo auf der Erde einen Menschen gibt, der genauso aussieht wie man selbst? Der vielleicht auch charakterliche eine exakte Kopie des eigenen Ichs darstellt? Nun, in "Enemy" sind die beiden Protagonisten zwar vom Wesen her völlig unterschiedlich, aber optisch nicht zu unterscheiden. Das bekommen auch die Herzdamen der Herren, Anthonys schwangere Frau Helen (Sarah Gadon) sowie Adams Freundin Mary (Melanie Laurent), zu spüren.
"Enemy" ist ein ruhiger, mysteriöser Thriller, der in einer Großstadt spielt, deren gigantische Hochhäuser die Bewohner zu verschlucken drohen. Doch in dem Moloch sind trotz des sonnigen Herbstwetters erstaunlich wenige Menschen auf den Straßen. Alle Figuren machen den Eindruck, sie seien vollkommen allein.
Wie es einem Mann seines Standes gebührt, stellt der Dozent Nachforschungen an. Er will die Person kennenlernen, die sein Zwilling sein könnte. Und Regisseur Denis Villeneuve, dessen Meisterwerke wie "Die Frau, die singt" oder "Prisoners" im realen Hier und Jetzt spielen, lässt Adam schnell Fortschritte machen. Stehts in dem Rahmen, den seine Figur vorgibt.
Dabei will der Zuschauer ebenso wie Adam selbst wissen, was hinter dem Mysterium steckt. Und schnell macht sich die Angst breit, dass die Antwort auf diese Fragen sowie der Ausgang des Filmes diese Wissbegier nicht in der Qualität befriedigen kann, wie der Film sie stellt. So wie zum Beispiel der ähnlich strukturierte "Berberian Sound Studio" schon viel Potenzial in den letzten zehn Minuten verspielte.
Mit "Enemy" gelingt es Denis Villeneuve zumindest eine ordentliche Auflösung zu bieten. Nichts was den Zuschauer aus dem Sitz haut - nicht einmal den leicht zu begeisternden. Bis dahin ist sein ruhiger Mysterytrip, der mit einer Prise David Lynch garniert ist, aber ziemlich kurzweilig und interessant. Und vor allem anders, als die übliche anspruchsvollere Kinokost. An Villeneuves beiden Meisterwerke ragt "Enemy" aber bei Weitem nicht heran.

Fazit: 70 %

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