15. Januar 2015

Feuerwerk am helllichten Tage

© Weltkino

Regie: Yi´nan Diao
Land / Jahr: China 2014












Vor fünf Jahren konnten die beiden Ermittler Zhang Zili (Fan Liao) und Liang Zhijun (Xuebing Wang) eine Serie von schrecklichen Morden nicht aufklären. Jetzt ereignen sich weitere Fälle nach dem selben Muster von damals und die beiden versuchen es auf eigene Faust erneut.
Regisseur Yi´nan Diao entführt den Zuschauer in ein anderes China, als es das Gros seiner Landsleute tut. Er zeigt ein, nicht nur vom Winter gefrorenes Land. Der Schnee fällt unaufhörlich, die Straßen sind menschenleer. Diese bedrückende Stimmung versteht Diao bestens mit der Kamera festzuhalten. Viele Bilder sind wunderschön komponiert und unverbraucht.
Diao versucht gar nicht einen toughen Superbullen bei seiner Arbeit zu zeigen, es geht ihm eher darum wie seine beiden gefallenen Engel vorgehen. Meistens brauchen sie dafür ihr Hirn, nur ganz selten wird per Schusswaffe ermittelt.
Das größte Defizit von "Feuerwerk am helllichten Tage" ist aber, dass der Film zwar toll geschrieben und überzeugend inszeniert wurde, aber Suspense gibt es fast gar nicht. Die Spannungskurve hebt sich nur selten, dabei hätten viele Momente durchaus das Potenzial den Puls zu steigern. Doch darauf legt es Diao überhaupt nicht an.
Die vielen Zeitsprünge fordern zudem die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Wer die Bilder nicht versteht, der sollte nicht auf Erklär-Dialoge hoffen, wie sie von US-Regisseuren oftmals kredenzt werden. Mitdenken von an ist Pflicht. Sonst hat man gar nicht erst die Möglichkeit den Film vollends zu verstehen.
Dass "Feuerwerk am helllichten Tage" den Goldenen Bären bei der Berlinale gewann ist vielleicht ein bisschen zuviel des Guten, denn gerade in Punkto Spannung verträgt der Film noch einiges. Auch die eingestreute Liebesgeschichte kann gar nicht überzeugen und passt weder zu den beiden Figuren, noch zu der gesamten Erzählkonstruktion. Optisch gibt es allerdings einiges zu entdecken, in den Kohlefabriken oder der eisigen Landschaft: Schöne Bilder, intelligent dargestellt. Dieses Arbeiterdrama ist ein Werk mit Höhen und Tiefen, aber sicherlich mit einer Menge Anspruch.

Fazit: 70 %

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