14. Januar 2015

Trainer!

© Alive

Regie: Aljoscha Pause
Land / Jahr: Deutschland 2013












Fußballtrainer ist nicht nur für viele Sportfans ein absoluter Traumjob. Den ganzen Tag hochbegabte Stars herumkommandieren, Titel gewinnen und jede Menge Geld verdienen. Doch der Alltag eines Profi-Fußballtrainer sieht ganz anders aus, als es sich viele Fans oftmals vorstellen. Das wird am Beispiel von drei Trainer-Karrieren gezeigt.

Dreimal ganz nah dran
Einen oder mehrere Fußballtrainer bei der Arbeit zu begleiten und das auch noch über eine komplette Saison ist schon sehr aufwändig, aber kein Problem: In Deutschland gibt es schließlich genügend Kreis-, Bezirks- und Landesligavereine und mindestens genausoviele Trainer. Aljoscha Pause hat es aber geschafft gleich drei Profi-Trainer für seine Dokumentation ins Boot zu holen: Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim, André Schubert vom FC St. Pauli und Stephan Schmidt vom SC Paderborn.
Als wäre das nicht schon allein bemerkenswert, dass diese Kooperation zustande kam, so kann sich Regisseur Pause zusätzlich für diese Auswahl auf die Schulter klopfen. Er muss überhaupt keine künstliche Dramatik erzeugen, die Dinge nehmen wunderbar spannend ihren Lauf. Denn zwei der drei Coaches werden noch in der laufenden Saison gefeuert, der dritte kämpft am letzten Spieltag in einem mitreißenden Spiel um einen Aufstiegsplatz. Keiner der Vereine hat eine ruhige Zeit, in jeder der drei Geschichten ist jede Menge Zündstoff.
Doch Pause zeigt seine Trainer nicht als reine Sportanweiser. Er zeigt sie auch als Menschen, die ihre Spieler motivieren müssen, damit diese gute Leistungen bringen. Der ganze Druck, der leistungsabhängig auf ihnen lastet - davon sollen die Schützlinge möglichst wenig mitbekommen. Und die Fußballfans sowie die Presse sind gnadenlos. Läuft es schlecht, kann man von einem auf den anderen Tag seinen Job verlieren. Läuft es gut, dann erwarten alle noch mehr. Zufrieden ist eigentlich niemand mit der Arbeit eines Trainers - oft noch nicht einmal der Trainer selbst.

Ein verzeihbares Ungleichgewicht
Garniert wird "Trainer!" mit kurzen Interviews von Coaches wie Jürgen Klopp, Armin Veh, Peter Neururer, Hans Meyer, Mirko Slomka, Thomas Schaaf und Michael Oenning. Kurz wird auch DFB-Chef-Ausbilder Frank Wormuth bei seiner Arbeit begleitet. Eine wirklich wunderbare Mischung, die Einblicke aus diversen Perspektiven erlaubt.
Am Ende gerät die Dokumentation in ein natürliches Ungleichgewicht. Ganz einfach weil zwei von drei Trainern nicht mehr bei ihrem Verein tätig sind. Das ist natürlich den Gegebenheiten geschuldet, die vorher nicht planbar waren - denn im Sport ist Erfolg nur schwer absehbar. Insgesamt ist "Trainer" eine sehr gelungene Dokumentation, was sie allein schon ihrem Alleinstellungsmerkmal zu verdanken hat.

Fazit: 80 %

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