5. Februar 2015

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

© 20th Century Fox

Regie: Alejandro González Inárritu
Land / Jahr: USA, Kanada 2014












Riggan (Michael Keaton) wurde mit seiner Rolle als Birdman weltberühmt. Doch er will keinen Superhelden mehr spielen, sondern seriöses Theater auf die Bühne bringen. Als sein Broadway-Stück vor dem Ende steht, kann Riggan sein Glück kaum fassen: Denn der von Publikum und Kritikern gefeierte Mike (Edward Norton) ist bereit eine Hauptrolle in dem Stück zu übernehmen.
Als Alfred Hitchcock 1948 "Cocktail für eine Leiche" dreht, waren die Kritikermeinungen gespalten. Die einen priesen das Werk, das keinen sichtbaren Schnitt aufweist, als genial. Andere bemängelten, dass der Thriller gänzlich uncineastisch ist. Denn das was einen Film ausmacht, ist nunmal der Schnitt. "Birdman" ist da sehr ähnlich. Denn auch Alejandro González Inárritus Werk besteht aus sehr aufwändigen Plansequenzen und einer losgelösten Kamera, die den Eindruck vermittelt, man selbst verfolge den schizophrenen Riggan auf Schritt und Tritt.
Doch das ist die Mühe wert. Denn Michael Keaton spielt wohl die beste Rolle seines Lebens. Und die Rolle ist ihm wie auf den Leib geschnitten, denn ihm selbst gelang der große Durchbruch mit den beiden "Batman"-Filmen. Nach der Superhelden-Episode verkümmerte Keaton jedoch zum Nebendarsteller, der meistens in recht bedeutungslosen Rollen zu sehen war. Und so ist auch seine Figur. Er entblößt sich quasi selbst. Fast ebenso hell wie Keaton leuchtet Edward Norton, der ebenfalls noch nie so gut gewesen ist. Eine wunderbare Cast, in der jeder versucht den anderen an die Wand zu spielen - so wie in "Birdman" selbst.
Mit einigen Spitzen gegen das Showbiz zeigt Inárritu die Bigoterie der Entertainment-Branche. Das ist eine wunderbar ironische Sichtweise auf Kino und Fernsehen, vor allem aber auf das Theater. Das ist mitunter sehr lustig, reißt aber nicht zu Lachsalven hin.
"Birdman" ist kein Superheldenfilm, kein Actionfilm und noch nicht einmal eine echte Kömodie. Der Film ist eine Satire auf die Unterhaltungsindustrie mit großem Fokus auf das Theater. "Birdman" ist mehr theatralisches Kunstwerk als das, was man als Cinematographie versteht. Er ist beachtlich inszeniert und extrem intelligent und geschmackvoll, wäre am Theater aber vielleicht besser aufgehoben. Denn er bedient sich kaum dem Grundelement dieser Kunstrichtung: Dem Schnitt. Aber ob das Tugend oder Laster ist, darüber diskutieren Filmkritiker schon seit Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche". Eines ist "Birdman" aber definitiv: Einzigartig.

Fazit: 80 %

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