23. Februar 2015

Ein Tick anders

© Farbfilm-Verleih

Regie: Andi Rogenhagen
Land / Jahr: Deutschland 2011












Eva (Jasna Fritzi Bauer) leider unter dem Tourette-Syndrom, muss deswegen nicht zur Schule gehen, hat aber auch keine Freunde. Doch ihr behütetes Leben wird ordentlich durcheinander gerüttelt, als sie herausfindet, dass ihr Vater seinen Job verloren hat. Die Leiche, die sie im Wald findet, macht die Sache nicht einfacher.
Beim Vorstellungsgespräch mit einem freundlichen "Heil Hitler" begrüßt zu werden, da geht wahrscheinlich jedem das Herz auf. Bei "Ein Tick anders" ist dem tatsächlich so, Andi Rogenhagen lässt seine Touretteterin so ziemlich alles sagen, was eigentich in der Tabu-Zone beheimatet ist. Aber er beweist das Feingefühl dafür, wie so etwas tatsächlich sehr lustig sein kann, ohne gleich geschmacklos zu wirken.
Diese verbalen Entgleisungen von Eva sind immer schön gesetzt und vor allem von ausdrucksstarker Kreativität geprägt. Das Wort "Arschlicht" zum Beispiel inspiriert Evas Onkel Bernie (Stefan Kurt) dazu einen Song zu komponieren, mit dem sie bei einem Casting Auftritt. Inhalt und Figuren - hier ist alles wunderbar grotesk.
Die Handlung leidet aber vor allem unter dem geplanten Bankraub, der fast schon in die Geschichte der locker-flockigsten Überfälle aller Zeiten eingeht - Durchgeführt von einem Teenager und seinem wenig intelligenten Onkel. Weitere kleine Nebenhandlungen lenken zusätzlich von der eigentlichen Story ab. Dabei hätte es doch gereicht, einfach zu portraitieren wie Eva mit ihrer Krankheit umgeht.
"Ein Tick anders" ist ein liebevoller und unterhaltsamer Film über eine junge Frau, die sich mit Tourette durchschlagen muss. Als klar wird, dass Eva einen Job braucht und so mit der Außenwelt in Kontakt kommt wird der Film erst richtig interessant. Bedauerlicherweise schenkt Regisseur Andi Rogenhagen dem aber nicht genügend Aufmerksamkeit und erfindet einfach ein paar "dramatischere" Nebenhandlungsstränge. Inhaltlich verliert der Film ab der Hälfte damit einiges an Schwung. Soll nicht Jasna Fritzi Bauers Problem sein: Sie spielt wirklich toll.

Fazit: 60 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen