12. Februar 2015

Foxcatcher

© StudioCanal

Regie: Bennett Miller
Land / Jahr: USA 2014












Der erfolgreiche Ringer Mark Schultz (Channing Tatum) bekommt von dem egozentrischen Milliardär John du Pont (Steve Carell) ein unmoralisches Angebot: Bei kostenloser Logie und ordentlicher Bezahlung lässt er sich von John trainieren und zu Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen führen. Als es zu einem Bruch zwischen den beiden kommt, will John auch Marks Bruder David (Mark Ruffalo) in seinem Team haben.
Jeder kennt sie, diese amerikanischen Sportlerfilme, in denen, egal wie der Spielverlauf ist, am Ende ein glorreicher und glänzender Sieg für die US-Boys (oder Girls) herausspringt. Dass es unter der Regie von Bennett Miller ganz anders verlaufen würde, dass macht ein Blick auf dessen vorherige Filme deutlich. In "Moneyball" oder "Capote" dekonstruiert Miller mit dokumentarischer Ehrlichkeit den amerikanischen Traum.
Und "Foxcatcher" ist im Vergleich mit den anderen beiden Werken sogar noch düsterer, noch deprimierender. Wenn ein unintelligenter, mittelloser Mensch sich von einem perspektivlosen, aber überaus wohlhabenden Mann leiten lässt, dann geht es für beide geradewegs auf den Abgrund zu. So eine sinnlose Existenz bei derartigen Möglichkeiten wie das verwöhnte Muttersöhnchen John du Pont zerstört alle Träume, dass man mit viel Geld automatisch ein schönes Leben hat.
Was John mit seinem Geld allerdings hat, ist die Macht alles zu tun. Von oberflächlicher Begeisterung für das Sammeln von Briefmarken oder Kriegsmemorabilia bis hin zur Kontrolle über die Ausrichtung einer ganzen Nationalmannschaft: John hat von nichts eine Ahnung, erkauft sich jedoch mit seinem Reichtum jede Legitimität.
Prunkstück des überaus dezidiert recherchierten "Foxcatcher" sind aber definitiv die Darsteller. Dass Channing Tatum die mit Abstand beste Performance seiner Karriere gibt, ist schnell vergessen, denn der vollkommen gegen den Typ besetzte Steve Carell bringt eine der besten Darstellerleistungen dieses Jahrzehnts. Er spielt einen völlig zerbrochenen Mann, der nichts kann, nichts leistet und sich für den Größten hält. Grandios.
Wäre "Foxcatcher" doch ein wenig kürzer, dann könnte er ein absolutes Meisterwerk sein, so ist er einfach nur sehr gut. Regisseur Bennett Miller zeigt ein auf wahren Begebenheiten beruhendes und sehr zeitgemäßes Dokument über die Gefahren von Geld im Profisport. Millers Sportdrama ist sehr intelligent aufgebaut, wunderbar recherchiert und setzt zu keinem Zeitpunkt auf konstruierte und billige Dramatik. Seine ruhige und dokumentarisch anmutende Umsetzung sind aber auch das größte Manko von "Foxcatcher", denn hin und wieder ist der Film, trotz seiner Raffinesse, ein wenig zu lang. Dennoch ist Steve Carells Darstellerleistung nicht hoch genug zu bewerten, denn schließlich hat Bennett Miller den extrem mutigen Schritt gewagt und völlig gegen den Typ besetzt. Es hat sich gelohnt!

Fazit: 80 %

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