16. Februar 2015

TOP 10 - 2014

TOP 10 - 2013:

Vorab: Eine Eingrenzung hierbei ist schwierig, denn es zählt nicht das Produktionsjahr, sondern das Jahr der Kinoveröffentlichung in Deutschland. Aber auch Filme, die nicht in den Lichtspielhäusern liefen können es auf diese Liste schaffen. Diesmal besonders erstaunlich: Auf der Liste befindet sich kein einziger nicht-amerikanischer Film.


Hier die TOP 10:

1. "Interstellar" - 1.678.945 Besucher in Deutschland
- Mit diesem Sci-Fi-Epos hat sich Christopher Nolan endgültig unter die besten lebenden Filmregisseure gearbeitet. Steht der Name des Briten auf einem Filmplakat, dann ist kein Trailer und keine Information über die Handlung notwendig für einen Kinobesuch. Das absolute Gros der Filmregisseure macht nicht ein einziges derart gutes Werk wie Nolan sie alle zwei Jahre abliefert. Er ist einer der ganz, ganz wenigen, die verstanden haben, dass Action, Sci-Fi, Abenteuer und sogar Fantasy sich an die Grenzen der (inneren) Logik halten müssen. Nolan ist eine Mischung aus Hitchcock und Kubrick und könnte ein grausames Schicksal mit diesen Meistern teilen und wegen seiner ausgefallenen Themen und Genreaffinität niemals einen Regie-Oscar in den Händen halten. Geschichte könnte sich wiederholen. Lediglich die letzten "nur" sehr guten und etwas abgedrehten 45 Minuten (des drei Stunden langen Epos) halten "Interstellar" davon ab, perfekt zu sein.

2. "Wolf of Wall Street" - 2.400.242 Besucher in Deutschland
- Ein dreistündiges Epos über einen Börsenhai mit einer Freigabe ab 16 Jahren lockt weit über zwei Millionen Zuschauer in die Kinos in Deutschland? Damit hätte niemand gerechnet. Aber es ist einerseits dieser spezielles Charme, den Martin Scorsese fast jedem seiner Filme verleiht. Andererseits ein perfekt aufspielender Leonardo DiCaprio. Derart unterhaltsames Kriminellen-Kino mit solch epischen Ausmaßen bekommt man viel zu selten zu sehen. Amüsant und perfide zugleich. Scorsese ist mal wieder in Topform.

3. "12 Years a Slave" - 732.661 Besucher in Deutschland
- Regisseur Steve McQueen schaltet einen Gang höher in Punkto Geschwindigkeit und wird ebenso noch konkreter in seiner Handlung im Vergleich mit seinen frühen Filmen wie "Shame" oder "Hunger" - und schon gelingt ihm ein Meisterwerk. Die (wahre) Geschichte eines Afroamerikaners, der im Jahre 1853 in die Sklaverei verschleppt wird, ist interessant wie spannend zugleich und setzt niemals auf billige Dramatik. Das was McQueen erzählt ist bedrückend und drastisch, ohne plakativ zu sein. Ein intensive Reise des schwarzen Odysseus durch eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte mit grandiosen schauspielerischen Leistungen.

4. "Nightcrawler" - 102.836 Besucher in Deutschland
- Jake Gyllenhaal in der Rolle des durchgeknallten Möchtegern-Journalisten erinnert an großartige Filmsoziopathen wie den Frauenmörder Frank Zito in "Maniac" oder den unvergleichlichen Robert De Niro in "Taxi Driver". Alleine in einer Großstadt ist der von Gyllenhaal verkörperte Louis Bloom auf der Jagd nach menschlichem Leid und das für 15 Minuten Ruhm. So gewaltätig kann ein Mensch sein, ohne tatsächlich physisches Leid auszuüben. Besonders erstaunlich an diesem düsteren Thriller: Es ist der Erstling von Regisseur Dan Gilroy, auf dessen zukünftige Arbeiten man überaus gespannt sein darf.

5. "Gone Girl" - 1.123.840 Besucher in Deutschland
- Genrespezialist David Finchers Adaption des Bestsellers von Gillian Flynn ist intelligent und atmosphärisch und lässt den Zuschauer zu keiner Sekunde aus ihrem Bann. Sicherlich kann "Gone Girl" keineswegs mit Finchers ganz großen Meisterwerken wie "Sieben" oder "Fight Club" mithalten, aber der Amerikaner beweist einmal mehr seine Vormachtstellung im Thriller-Genre. Neben allen positiven Aspekten liefert er zudem einen fantastischen Plot-Twist in der Mitte des Filmes, der den Zuschauer komplett umdenken lässt.

6. "Die Entdeckung der Unendlichkeit" - 467.235 Besucher in Deutschland
- Die Biografie des Physikers Stephen Hawkings liefert genug Potenzial für ein sehr kitschiges und auf die Tränendrüse drückendes Drama. Filmemacher James Marsh gelingt jedoch das Kunststück eben diese billige Sentimentalität zu umgehen und dafür gefühl- und geschmackvoll zu sein. Natürlich profitiert er auch von seinen überzeugenden Schauspielern, allen voran Hauptdarsteller Eddie Redmayne, der eine beeindruckende Performance des gebrechlichen Wissenschaftlers abliefert.

7. "Dallas Buyers Club" - 201.847 Besucher in Deutschland
- Welch ein gelungenes Portrait eines Mannes, der aufgrund seines schlimmen Schicksals dazu gezwungen wird, seinen kompletten Lebensstil zu umdenken. Eigentlich ist der von Matthew McConaughey gespielte Macho nur auf dicken Profit aus, doch fast schon naiv hilft er damit tausenden von Menschen. Der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée beschönigt nichts und zeichnet ein beklemmendes Bild der medizinischen Situation in den USA und die Einfältigkeit mit dem Umgang in den 80er Jahren mit der als Schwulenseuche gebranntmarkten Krankheit AIDS.

8. "Guardian of the Galaxy" - 1.790.887 Besucher in Deutschland
- Das zynische Sci-Fi-Epos von James Gunn schafft er überraschenderweise sich mit einer ungeahnt großen Portion Charme aus der zähen und breiten Masse der Action-Blockbuster abzuheben. Seine Figuren sind keineswegs klischeehaft gutherzig, das Tempo ist enorm hoch und die zahreichen Gags und Anspielungen zünden perfekt. Gunn beweist vor allem etwas, dass man im Blut haben muss und nicht erlenen kann: Ein sensationelles Gefühl für Timing. "Guardians of the Galaxy" ist ein Beweis dafür, dass Blockbuster keineswegs nur auf ihre Actionsequenzen zu reduzieren sind und auch einen hohen Mehrwert bieten können.

9. "Boyhood" - 303.226 Besucher in Deutschland
- Mit seiner "Before"-Trilogie hat Autorenfilmer Richard Linklater gezeigt, wie man den Aspekt "Zeit" auch anders im Kino einsetzen kann. Sein Gigantenepos "Boyhood" entthront die Reihe jedoch problemlos. Über zwölf Jahre hat dieser quasi in Echtzeit gedreht Film gebraucht, bis er endlich auf die Leinwand kam. Stilistisch genial, bietet der Dreistünder inhaltlich nur wenige dramatische Höhepunkte. Allein wegen seiner Machart ist "Boyhood" für jeden Cineasten jedoch schon ein absolutes Muss.

10. "Nebraska" - 44.322 Besucher in Deutschland
- Dieser kleine Schwarz/Weiß-Film von Alexander Payne lässt den Zuschauer über und mit seinen eigenwilligen, aber sehr menschlichen Figuren lachen. Bruce Dern spielt den sturen Rentner Woody Grant, der von raffgierigen Menschen umgeben ist, selbst aber keineswegs besser mit seinen Mitmenschen umgeht. "Nebraska" ist langsam, aber witzig und seine Gags sind manchmal so richtig bitterböse.

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