27. März 2015

American Sniper

© Warner

Regie: Clint Eastwood
Land / Jahr: USA 2014












Getrieben vom Patriotismus und gesegnet mit ausgezeichneten Fähigkeiten am Gewehr stellt sich Chris Kyle (Bradley Cooper) in die Dienste der US-Armee. In mehreren Irak-Einsätzen wird er zur Scharfschützen-Legende, doch seine Ehe mit Taya (Sienna Miller) droht an Chris' Kriegserlebnissen zu scheitern.
Auf dem Poster weht das amerikanische Sternenbanner, auch der Titel ist ausgesprochen patriotisch - man bedenke nur einmal in Deutschland würde jeder zehnte Film mit dem Wort "Deutscher" anfangen. Frei nach dem Motto "andere Länder, andere Sitten" kommt ein solch patriotischer Film natürlich keineswegs in dem unpatriotischten Land der Erde an.
Doch man kann Clint Eastwood nicht vorwerfen, er würde den Krieg glorifizieren. Er zeigt einen von den Kämpfen zerbrochenen Mann, der große Probleme damit hat, abzuschalten. Er tötet nicht aus Spaß, sondern aus Pflichtbewusstsein. Die Erinnerungen zerfressen seine Seele. Chris muss Freunde beerdigen und zusehen wie Kameraden Körperteile verlieren.
Auch die Inszenierung ist - kein Wunder wenn Clint Eastwood auf dem Regiestuhl sitzt - äußerst gelungen. Sicherlich hat Eastwood einen unglaublichen Erfahrungsschatz, aber der Gute ist auch schon Mitte 80. Sein Erzählstil ist unterhaltsam und kurzweilig, die 130 Minuten Laufzeit vergehen wie im Fluge.
Großer Kritikpunkt ist allerdings die Einseitigkeit des Filmes. Es gibt keinen positiven, nicht-amerikanischen Charakter. Alles wird aus der Perspektive Uncle Sams erzählt. Dass Eastwood das Gegenteil beherrscht, hat er mit seinem ausgezeichneten "Letter from Iwo Jima" bewiesen. Warum er nicht auch hier soviel Weitsicht beweist, ist unverständlich. Schon ein bisschen mehr Objektivität hätte viel rausholen können. Dass seine Hauptfigur, der Scharfschütze Chris Kyle, nicht über den Tellerand gucken kann ist nicht verwunderlich. Schließlich ist er ein einfacher und ungebildeter Hinterwäldler. Aber von Eastwood wäre hier definitiv mehr zu erwarten gewesen.
Ein wunderbarer Stil, gute Darsteller und eine überzeugende Inszenierung können nicht über einen großen Makel hinwegtäuschen: Der Film ist getrieben von einem extremen Subjektivismus, wie ihn nur Amerikaner auf die Leinwand bringen können. Dass die andere Seite der Medaille nicht berücksichtigt wird, kann man "American Sniper" vorwerfen. Nicht aber Kriegsverherrlichung. Als Film funktioniert Eastwoods Werk, als Biographie oder sogar historischem Bericht taugt es nicht ganz soviel. Wer differenzieren und die deutsche Brille ablegen kann, wird gut unterhalten.

Fazit: 70 %

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