23. März 2015

Borgman

© Pandastorm

Regie: Alex van Warmerdam
Land / Jahr: Niederlande, Belgien, Dänemark 2013












Der mysteriöse Landstreicher Borgman (Jan Bijvoet) flieht aus seiner unterirdischen Behausung im Wald in die Vorstadt. Dort gelingt es ihm sich bei einer wohlhabenden Familie einzunisten. Von nun an macht er sich mit perfiden Mitteln die van Schendels untertan.
"Borgman" ist mal wieder ungewöhnliche Kost aus den Niederlanden. Denn die Umpolung der van Schendels läuft keinewegs gradlinig oder logisch ab, Regisseur Alex van Warmerdams bedient sich teilweise surrealistischen Mitteln und obskuren Bildern. Wenn zum Beispiel dürre Windhunde durch das Haus spazieren oder Borgman für ein paar Minütchen nackt auf den schlafenden van Schendels sitzt, um deren Träume zu manipulieren.
Wer aber hofft, van Warmerdam liefert auch Antworten zu all den Fragen, die er aufwirft, der irrt gewaltig. So kann er einerseits die Logik ziemlich unaufwändig umgehen, andererseits nimmt er es in Kauf, dass der Kreis sich niemals schließen wird. "Borgman" ist kein in sich geschlossenes Konstrukt.
Anfangs funktioniert "Borgman" noch bestens. Es ist einfach interessant zu sehen, wie es dem Penner aus dem Wald gelingt, in der Familien-Hierarchie Schritt für Schritt aufzusteigen. Doch diese Entwicklung geht nur sehr langsam voran und ist zudem sehr höhepunktarm. Die zweite Hälfte des Filmes bietet einfach nicht genügend neue Ideen und nach einer knappen Stunde gerät "Borgman" aus dem Gleichgewicht - und zwar völlig zu seinen Ungunsten.
Auch gibt es zwar einige düstere und sehr atmosphärische Momente, doch dazwischen hat das Zuschauer-Herz wieder genügend Zeit zum gewohnten Pulsschlag zurück zu finden. Für ein Werk dieser Art ist es schon fast als mutig zu bezeichnen, dass Borgman sein Treiben größtenteils bei sonnigem Tageslicht tätigt. Dadurch lässt der Filmemacher eine Menge Atmosphäre links liegen, die er mit wenig Aufwand haben könnte.
Vielschichtig und clever ist dieser Genre-Mix aus den Niederlanden, der viel Platz für Interpretationen lässt. Allerdings wird man nach einiger Zeit das Gefühl nicht mehr los, dass der Film sich im Kreis dreht und nicht so recht voran kommen will. Oftmals ist "Borgman" auch zu körperlos, denn Gewalt findet fast nur in den Träumen statt, die der Landstreicher in die Hirne der van Schendels pflanzt. Schon wegen seinem Einfallsreichtum ist "Borgman" einen Blick wert. Doch der anfängliche Schwung kann nicht aufrecht gehalten werden.

Fazit: 60 %

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