2. März 2015

Pride

© Senator

Regie: Matthew Warchus
Land / Jahr: Großbritannien, Frankreich 2014












Großbritannien 1984: Selbst in der Großstadt London haben es Schwule und Lesben nicht leicht. Sie werden beschimpft, bespuckt und bestenfalls tolleriert, aber keineswegs akzeptiert. Noch weniger Sympathien scheinen aber die streikenden Bergarbeiter zu haben, für die sich die Homo-Gruppe mit Spendensammlungen einsetzt.
Der auf wahren Begebenheiten beruhende "Pride" zeigt ungewöhnliche Synergieeffekte. Unter dem Slogan "Lesen und Schwule unterstützen die Bergarbeiter" setzen sich die Londoner Flamingos für Menschen im entfernten Wales ein, mit denen sie nichts gemeinsam haben. Für Leute, denen es noch wesentlich beschissener geht als ihnen selbst.
Und freuen sich die Bergarbeiter über diese unerwartete Hilfe an Spenden, mit denen sie wenigstens das Notwendigste anschaffen können? Na klar nehmen die das Geld, als sich dann aber ein Besuch ihrer Retter ankündigt gehen sie auf Abstand - und zwar deutlich. So sind die Menschen: Beim Nehmen sind sie schamlos. Jedoch wollen sie nur ungern etwas dafür zurück geben. Und wenn es nur ein bisschen Freundlichkeit ist.
Es macht sich schon ein wenig Fremdscham breit, wenn die Gruppe anstatt dem verdienten Dank die offene Abneigung eines Großteils der Bergarbeiter erfährt. Regisseur Matthew Warchus sieht aber davon ab zu pauschalisieren. Denn ebenso wie bei den Homosexuellen Unterstützter und Gegner der Aktion gibt, so gibt es auch bei den walisischen Bergarbeitern eine kleine vorurteilsfreie Gruppe, die nicht nur auf sich selbst schaut.
Offenherzig näherte sich Warchus der Geschchte an, ebenso warmherzig und liebevoll entfaltet diese sich auf der Leinwand. Obwohl "Pride" eigentlich ein biographisch angehauchtes Drama ist, gibt es viele komödiantische Momente, die mehr als ein Schmunzeln hervorrufen können. Und seine Figuren sind ebenfalls echte Menschen und zum Glück nur ganz selten billige Stereotype.
Lediglich Joe (George McKay), der Junge aus der englischen Mittelschicht, kommt ein wenig zu kurz. Am Anfang stoplert er völlig zufällig in die Gruppe. Sein Wandel wird zwar immer wieder aufgegriffen, erfährt aber nicht die Screentime, die ihm zugestanden hätte.
"Pride" ist ein überraschend souveränes Culture-Clash-Drama von einem Mann, der erst eine einzige, lange zurückliegende Regiearbeit ablegte und der ein Drehbuch von Stephen Beresford inszeniert, der noch nie vorher für die Leinwand geschrieben hat - und gleich den BAFTA-Award für sein Drehbuch bekam. Ihr Werk hat jede Menge Charme, vielfältige Figuren und eine positive Message, gestützt auf tatsächliche Ereignisse. Die aufwändig inszenierte Geschichte beweist, dass eins plus eins auch mal drei sein kann.

Fazit: 75 %

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