19. April 2015

Untertan, Der

© Icestorm Entertainment

Regie: Wolfgang Staudte
Land / Jahr: Deutschland (DDR) 1951












Diederich Heßling (Werner Peters) wurde zu einem der ergebensten Untertanen des deutschen Kaisers erzogen und ist in jeglicher Beziehung ein Vorbild - Oder zumindest hält er sich dafür, der er gelernt hat mit zweierlei Maß zu messen und seine Angestellten und die Frauen in seinem Leben schlecht zu behandeln.
Die Figur des Diederich Heßling ist wirklich ein Musterbeispiel für einen hörigen Untertanen. Schnell lernt der schüchterne Junge wie man sich am besten im Leben durchsetzt: Nach unten wird getreten und nach oben wird, ohne nachzufragen, gekuscht. Diese Adaption des für die damalige Zeit nahezu anarchistischen Romans von Heinrich Mann ist wirklich mutig. Schließlich wurde sie 1951, nur wenige Jahre nach dem Krieg, gedreht und muss mit verkrusteten Werten konkurrieren, die noch aus der NS-Zeit herrühren.
Und das gelingt ihm auf eine clevere und wunderbar satirische Weise. Regisseur Wolfgang Staudte hat keine Mühen damit, die Leichtigkeit Manns auf die Leinwand zu übertragen. Selbst die zahlreichen komischen und mitunter zynischen Momente haben die Zeit überstanden und erzielen auch heute noch ihre Wirkung. Und die zielt stets darauf ab, den Untertanen zu enttarnen. Ihn bloßzustellen und seine Scheinheiligkeit aufzuzeigen.
Diederich Heßling ist der selbsterklärte Feind eines jeden Sozialdemokraten und Staudte nimmt sich genügend Zeit, ihn als ironisches Portrait einer kaiserlichen Marionette zu zeichnen. Er macht sich regelrecht über seinen "Helden" lustig. Das wird besonders in den Szenen deutlich, wo Diederich Heßling das gleiche macht, was er seinen Angestellten untersagt. Echt Scheinheiligkeit eben und extreme Inkonsequenz.
"Der Untertan" ist eine locker leichte Adaption des großen Romans von Heinrich Mann. Natürlich beziehen Autor und Regisseur sehr deutlich Stellung zu ihren Figuren und geben ihren Zuschauern wenig Freiraum, selbst zu entscheiden - aber dadurch entwickelt diese Demaskierung des Kaiserreiches ihren Charme. "Der Untertan" wirkt fast schon wie ein Prequel zu Grass/Schlöndorffs "Die Blechtrommel".

Fazit: 75 %

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