17. April 2015

Zwei Tage, Eine Nacht

© Alamode

Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Land / Jahr: Belgien, Frankreich, Italien 2014











Am Montag steht für Sandra (Marion Cotillard) eine wichtiger Termin an. Denn ihre Arbeitskollegen müssen sich bei einer Abstimmung entweder für eine Prämie oder die Weiterbeschäftigung von Sandra entscheiden - beides kann sich die Firma nicht leisten. Zwei Tage und eine Nacht hat sie nun Zeit, ihre Kollegen dazu zu bringen, für sie zu stimmen.
Es wird wieder ungemütlich bei den Dardenne-Brüdern. Und das nicht, weil sie einen knallharten Thriller oder einen düsteren Horrorfilm gemacht haben. Es ist die blanke Realität mit denen die beiden Cannes-Gewinner mal wieder die Zuschauer plagen. Sie stellen die Menschlichkeit und Solidarität der Normalobürger in Frage.
Wie üblich mit langen Einstellungen gefilmt und mit natürlichem Licht, lässt das Regie-Duo die zweifache Mutter Sandra wie eine Bettlerin von Tür zu Tür ziehen. Es ist ihr unangenehm, die Kollegen um den Gefallen zu bitten. Es ist den meisten Kollegen unangenehm, Sandra eine Abfuhr zu erteilen. Und manchmal ist es dem Zuschauer sogar unangenehm, ihr dabei zuzusehen. Dabei entscheidet niemand aus Gehässigkeit, sondern weil sie das Geld selber gut brauchen können.
Im Mittelpunkt steht eine famose Marion Cotillard, die sich fallen lässt und eine verzweifelte, depressive Frau spielt. Immer wieder brechen die Emotionen bei ihr aus, doch nie wirkt das überzogen oder überdramatisiert. Eine knallharte Tour de Force, die die talentierte Französin superb meistert.
"Zwei Tage, Eine Nacht" lebt von seinen Begegnungen mit Sandras Arbeitskollegen. Einige machen es ihr leicht, andere verdammt schwer. Doch mehr als eine Zusage für sie zu stimmen, kann sie bei niemandem rausholen. Einerseits muss sie sich auf die Mitarbeiter und deren Wort verlassen, andererseits könnte es am Ende trotz einiger Überzeugungen nicht reichen.
Mit einer grandios aufspielenden Hauptdarstellerin ist "Zwei Tage, Eine Nacht" schnell auf der Erfolgsspur. Doch Wohlfühl-Unterhaltung sollte hier niemand erwarten. Manchmal ist es dem Zuschauer genauso unangenehm wie Sandra mit der Klinkenputzerei. Aber es muss einfach sein, schon allein aus existentialistischen Gründen. Der Moment am Ende, als Sandras guter Charakter noch einmal unterstrichen wird, geht allerdings ein wenig unter und hätte auch getrost weggelassen werden können.

Fazit: 75 %

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