18. Mai 2015

Camp Evil

© Splendid

Regie: Jonas Govaerts
Land / Jahr: Belgien 2014












Eigentlich soll es nur ein netter Pfadfinder-Ausflug werden. Die Probleme beginnen aber schon mit dem Zeltplatz, der von zwei Proleten belagert wird, so dass die Gruppe in den nahegelegenen Wald umplanen muss. Dort sind sie nicht allein und nur der kleine Sam (Maurice Luijten) scheint die Wahrheit zu erkennen. Einer nach dem anderen verschwindet. . .
Eine Gruppe fährt zum Campen in den Wald - Das ist keine besonders originelle Prämisse für einen modernen Horrorfilm. Die "Freitag der 13."-Serie nahm so ihren Anfang, die "Sleepaway Camp"-Filme hatten sich auf wehrlose Camper eingeschossen und viele weitere Schocker verlegten ihre Handlung in den Wald - auch weil man da ziemlich kostengünstig drehen kann.
"Camp Evil", dessen Originaltitel "Welp" viel besser und innovativer ist, braucht allerdings nicht lange, um die Erwartungen zu durchkreuzen. Es geht hier nicht darum in "Zehn kleine Negerlein"-Manier ein Opfer nach dem anderen unter die Erde zu bringen, bis am Ende der letzte Überlebende den Killer tötet.
Die üblichen Klischees werden schon dadurch durchbrochen, dass es sich bei den Pfadfindern um eine Gruppe Kinder handelt und nicht die 08/15-Jugendlichen, die nur saufen und ficken wollen. Sam, der Außenseiter der Gruppe, hat als einziger den Durchblick und freundet sich sogar mit Kai (Gill Eeckelaert), dem mysteriösen Jungen mit der Holzmaske, an. Interessant ist auch, dass es noch eine dritte Partei gibt; abseits von Kai sind es vor allem ausgeklügelte Fallen, die den Campern das Leben schwer machen und von einem bis zum Finale nahezu unsichtbaren Mann installiert werden.
Und spätestens wenn der Handy-Klingelton des toten Polizisten den Theme des Horrorklassikers "Suspiria" spielt, wird klar, an wen "Camp Evil" angelehnt ist: Dario Argento. In den 80ern und 90ern noch eine Koryphäe des Genres, machte er sich vor allem mit sehr ungewöhnlichen Horrorfilmen einen Namen. Dieses Erbe nimmt "Camp Evil" an und wirkt mitunter tatsächlich wie ein echter Argento-Film, der einige Überraschungen auf Lager hat.
Ganz so düster und atmosphärisch wie "Suspiria" oder "Phenomena" wird es nicht. Ganz so blutig bis auf wenige Ausnahmen auch nicht. Aber "Camp Evil" ist einfach schon anders, wesentlich einfallsreicher als andere Genre-Vertreter und bietet tolle Wendungen. Und diese Prise "Saw", die bei den Fallen aufkommt, wirkt wunderbar angebracht. Besonders für Fans des Horrorgenres, ist "Camp Evil" Pflichtprogramm und einer der wenigen Filme, bei dem man sich einen Nachfolger erhofft.

Fazit: 70 %

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