1. Mai 2015

Zelle 211 - Der Knastaufstand

© Senator

Regie: Daniel Monzón
Land / Jahr: Spanien, Frankreich 2009












Vor seinem ersten offiziellen Arbeitstag im Gefängnis will Juan Oliver (Alberto Ammann) noch einen Blick in die Haftanstalt werfen und lässt sich von Kollegen rumführen. Doch genau in diesem Moment zettelt der Gefangene Malamadre (Luis Tosar) eine Revolte an. Juan muss sich als inhaftierter Mörder ausgeben, um nicht von den anderen Häftlingen getötet zu werden. Doch es entwickelt sich alles anders als erwartet.
Direkt in der ersten Einstellung sieht man ohne Zwischenschnitte wie sich ein Häftling die Pulsadern öffnet. Fachgerecht von oben nach unten, zwei Schnitte an jedem Arm und dann ins mit Wasser gefüllte Waschbecken - da will jemand auf Nummer sicher gehen. Eine sehr drastische Einstellung, die aber verdeutlich wie konsequent das nun Kommende sein wird.
Denn das Gaspedal bleibt durchgetreten. Bis zur Gefängnisrevolte vergehen nur wenige Minuten und schon bricht die Hölle los. Zuerst fiebert der Zuschauer mit Juan, der undercover als Pseudo-Mörder versuchen muss, nicht aufzufallen. Doch Regisseur Daniel Monzón bleibt nicht dabei, einfach nur das Überleben Juans unter den Wölfen zum Spannungsmoment zu machen. Er gestaltet seinen Film viel vielfältiger.
Das macht er einerseits, indem er nicht pauschal Stellung pro Behörden und kontra Häftlinge bezieht. Trotz der rauen Umgangsart wollen die Kriminellen eigentlich nur bessere Haftbedingungen durchsetzen und Behörden und Polizei zögern nicht, auch mal handgreiflich zu werden. Der zweite Aspekt ist, dass Daniel Monzón weitere Suspense-Baustellen aufmacht. Die panische Elena (Marta Etura), die hochschwangere Ehefrau von Juan, fährt zum Gefängnis und setzt sich dort Gefahren aus; die inhaftierten ETA-Terroristen und auch der bevorstehende Einsatz der Spezialkräfte werden zu Spannungsmomenten.
Krasse, manchmal zu krasse, Wendungen, eine spannende Handlung und eine Portion Gesellschaftskritik machen "Cell 211" zu einem sehenswerten Gefängnis-Film aus Spanien. Regisseur Daniel Monzón überlässt es dem Zuschauer zu entscheiden, auf welcher Seite die meisten Lügner kämpfen. Wer allerdings Probleme damit hat, Scherben zu sehen, die durch Fleisch schneiden, für den ist dieser mitunter rabiate Knast-Thriller nicht die erste Wahl.

Fazit: 75 %

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