21. Juni 2015

Jenseits der Hügel

© Wild Bunch

Regie: Christian Mungiu
Land / Jahr: Rumänien, Frankreich, Belgien 2012












Alina (Christina Flutur) ist aus Deutschland nach Rumänien zurückgekehrt und besucht ihre Freundin Voichita (Cosmina Stratan), die in völliger Abgeschiedenheit in einem orthodoxen Kloster lebt. Das Leben der Gläubigen stellt die junge Frau auf eine schwere Probe und auch die Schwestern haben Probleme mit der kritischen Besucherin.
Ohne Elektrizität und ohne fließendes Wasser: Das Leben im Kloster ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Was die jungen Frauen dorthin treibt, ist die Furcht vor der Armut, die auch abseits der Klostermauern vorherrscht. In dem Gotteshaus sind sie wenigstens sicher, haben ein Dach über dem Kopf und müssen nicht hungern.
Womit sich die Schwestern bestens abfinden und ein zufriedenes Leben führen, da sorgt Alina für Unruhen. Sie zweifelt alles an: Den Glauben, den Priester. Dennoch braucht auch sie eine Bleibe und versucht sich mit der Askese zu arrangieren. Das besonders Spannende daran ist, dass niemand sie zu etwas zwingt, niemand versucht sie loszuwerden oder bei sich zu behalten. Menschen verhalten sich wie Menschen, Alina ist diejenige, die alles durcheinander bringt.
Ebenso einfach wie die Unterkünfte und der Tagesablauf ist auch die stille Inszenierung von Regisseur Christian Mungiu. Die Einstellungen sind lang und beobachten das bodenständige und aufopfernde Spiel der gesamten Cast. Die Kamera bewegt sich nur, wenn es unbedingt sein muss, auf Schnickschnack wird gänzlich verzichtet. Die Inszenierung passt schnörkellos zu den Geschehnissen auf der Leinwand.
Die Spirale des Verderbens dreht sich dabei nur sehr langsam, manchmal sogar etwas zu langsam. An mehreren Stellen wäre ein strafferer Schnitt von Vorteil gewesen - Das Film muss nicht gezwungenermaßen zweieinhalb Stunden dauern. Ein etwas strafferer Schnitt muss nicht den Effekt haben Geschwindigkeit zuzulegen, denn das würde nicht zu dem extrem entschleunigten Film passen. Es geht darum das eine oder andere Obsolete einfach wegzulassen.
Eine Welt der Armut und der Genügsamkeit wird von einer jungen Frau gesprengt und es bleibt die Frage, wer nun der Verrückte ist: Die eigentlich zufriedenen Schwestern oder der von außerhalb verdorbene Gast. "Jenseits der Hügel" lässt den Zuschauer wie ein Voyeur beobachten und gibt vorwurfsfreie Einblicke in ein Leben fernab aller Weltlichkeiten.

Fazit: 70 %

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