23. Juni 2015

Whiplash

© Sony

Regie: Damien Chazelle
Land / Jahr: USA 2014












Nur die besten Musiker des Landes studieren am Schaffer-Konservatorium. Und wer zu den ganz Großen gehört, der darf sich in der Studioband unter der Leitung von Fletcher (J. K. Simmons) behaupten. Ein Traum, der sich dem begabten Drummer Andrew (Miles Teller) erfüllt. Aber sein neuer Lehrer ist alles andere als ein gutmütiger Dozent.
"Der Teufel spielt Jazz", könnte dieser Film auch heißen. Für diese Rolle des Menschenhassers Fletcher wurde J. K. Simmons vollkommen zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet. Seine Figur, des respekt- und gnadenlosen Bandleiters erinnert mitunter an dem unvergessenen Army-Ausbilder Gunnery Sergeant Hartman (R. Lee Ermey) aus Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" - nicht nur wegen seiner Härte, sondern auch wegen der Sprüche, die er gegen seine Studenten feuert.
Doch bei "Whiplash" sollte niemand denken, dass es die übliche Ausbilder-Romanze ist, in der ein ergebener Schüler und ein knallharter Lehrer die besten Freunde werden. Hier geht es darum, alles aus seinem Gegenüber rauszuholen, mit Mitteln, die sogar über die Grenzen der Legalität hinausgehen. Die Musik, genauer gesagt der Jazz, wird hier zu einem äußerst körperlichen Akt der Selbstaufopferung.
Abgesehen von den lauten Drums und den fiesen Sprüchen ist "Whiplash" aber ein ruhiger Film, der von seinen tollen Dialogen und den grandios gespielten Figuren lebt. Es geht nicht um Spektakel, es geht nicht darum, irgendwelche Wettbewerbe zu gewinnen. Es geht darum, was ein junger Mann bereit ist in sein Lebensziel zu investieren und was es aus ihm macht. Kleine Momente, in denen beim Familienessen die Begeisterung der Anwesenden für drittklassigen College Football größer ist als für erstklassige Musik, werfen zudem einen kritischen Blick auf die Gesellschaft.
"Whiplash" ist in vielen Beziehungen anders als die üblichen Schüler-Lehrer-Filme. Hier ist der Weg das Ziel, dennoch gipfelt alles in einem tollen Finale, bis zu dem Andrew einiges über sich ergehen lassen muss. Intelligente Dialoge, unvergessliche Figuren und ein Regisseur, der seine Geschichte mit viel Stil und handwerklich sehr sicher inszeniert machen "Whiplash" zu einem der besten Musikfilme aller Zeiten, für dessen Genuss es nicht relevant ist, ob man als Zuschauer Jazz mag oder nicht.

Fazit: 80 %

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