6. Juli 2015

German Angst

© Alive

Regie: Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marschall
Land / Jahr: Deutschland 2015











Drei Kurzgeschichten in Berlin: Ein Mädchen fesselt und tötet seinen Vater in der gemeinsamen Wohnung. Ein Skinhead wechselt seinen Körper mit dem eines Opfers und tötet sich danach selbst. Und ein gefeierter Fotograf versinkt in der Welt düsterer Underground-Klubs in der Hauptstadt.
Drei Horrorfilmregisseure tun sich zusammen, um aus ihren Kurzgeschichten einen gemeinsamen Episodenfilm zu machen. Das ist, besonders in diesem Genre, nichts besonderes. Zugpferd bei diesem Triumvirat ist Jörg Buttgereit, der sich mit seinen beiden "Necromantik"-Filmen zu einer Underground-Legende gemacht hat. Bis auf diese beiden skandalösen, aber qualitativ schwachen Splatterfilme hat er nichts vorzuweisen. Ihm an die Seite werden die beiden Regisseur Michal Kosakowski und Andreas Marschall gestellt. Keiner der beiden hat mehr als einen unterdurchschnittlichen und selbst für das Genre belanglosen Horrorfilm gedreht.
Da ist es doch besonders erstaunlich, dass Buttgereits "Final Girl" der mit Abstand schlechteste der drei Kurzfilme ist. Von den 112 Minuten Laufzeit, entfallen gerade einmal 25 auf Jörg Buttgereits Geschichte, die bis auf ein paar nette Detailaufnahmen nichts, aber wirklich gar nichts Kreatives bietet. Die Handlung ist gänzlich inhaltsfrei, dumm und langweilig. Der Höhepunkt ist die Szene, in der das junge Mädchen, deren völlig belanglose Gedanken als Offscreen-Kommentar den Zuschauer permanent foltern, ihrem Vater den Penis mit der Küchenschere abschneidet.
Danach wird es aber nicht nur länger, sondern auch besser. Michal Kosakowskis "Make a Wish" liefert zumindest eine gute Grundidee, die ordentlich inszeniert wird. Ob man aber 35 Minuten lang sehen muss, wie eine Gruppe irrer Rechter zwei junge Leute quält, sei dahingestellt. Der Aspekt des Körperwechselns, quasi in den Körper des Feindes, wird hier einigermaßen ansprechend behandelt.
"Alraune" von Andreas Marschall ist der beste der drei Filme. Seine Disco-Szenen nehmen dem Zuschauer die Orientierung, er erschafft im Gegensatz zu den anderen beiden einen Ansatz von Spannung und Grusel. Und dass, indem er nicht nur darauf setzt möglichst plump zu schockieren, sondern indem er vor allem mit der Blindfold-Szene innovativ arbeitet. Auch "Alraune" erreicht gerade eínmal durchschnittliches Niveau, aber im Vergleich mit Buttgereit ist das ein Quantensprung dieser Horror-Episoden.
Wer allerdings glaubt, in diesem Episodengemisch eine tiefere Bedeutung gefunden zu haben, der hat sich von dem durchkalkulierten Werk gehörig veraschen lassen. "German Angst" will besonders sein und setzt sich dabei nur durch seinen Titel und sein stylisches Cover Akzente. Nach Buttgereits Totalausfall geht die Qualitätskurve aber ein wenig nach oben. Der Gewaltanteil - das wird kaum jemanden überraschen- befindet sich insgesamt auf einem bedenklich Level. Insgesamt ist diese Mischung von einer Underground-Legende mit zwei C-Horror-Regisseuren aber unbedeutend und zu lang. Spannung gibt es ohnehin nur in der finalen Episode "Alraune".

Fazit: 35%

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