6. August 2015

Als das Morden begann


© HBO
Regie: Raoul Peck
Land / Jahr: Frankreich, USA, Ruanda 2005

Als im April 1994 in Ruanda der Völkermord der Hutu an den Tutsis beginnt, hat Hutu und Soldat Augustin Muganza (Idris Elba) nur noch eines im Sinn: Er will seine Familie aus dem Land bringen, schließlich ist seine Frau Tutsi. Sein Bruder Honoré (Oris Erhuero) hingegen hetzt jeden Tag als Radiosprecher für das Massentöten.
Wenn man ein Dramas über den Genozid in Ruanda bespricht, dann muss er gezwungenermaßen an dem nur ein Jahr früher erschienenen "Hotel Ruanda" gemessen werden. Der für das Fernsehen produzierte "Als das Morden begann", der auch unter dem Titel "Immer wieder im April" erschien, kann diesen Vergleich erstaunlich gut mithalten.
Hier gibt es die Geschichte von zwei unterschiedlichen Brüdern, die völlig gegensätzlich mit dem Privileg umgehen, als Hutu geboren zu sein. Dabei wird der Schrecken und das gnadenlose Töten auf den Straßen des afrikanischen Staates zwar gezeigt, aber niemals zum billigen Selbstzweck. "Als das Morden begann" ist ein packender sowie menschlich Kampf um das eigene Überleben.
Dabei kommen nicht nur die fast ausnahmslos mörderischen Hutu schlecht davon, auch die wenigen internationalen Hilfstruppen und -gruppen sehen teilnahmslos zu, ohne einzugreifen wie innerhalb von nur einem Jahr fast eine Million Menschen durch die Hände ihrer Brüder und Freunde ihr Leben lassen müssen.
Im Vergleich mit "Hotel Ruanda" ist "Als das Morden begann" ein wenig ruhiger und ein gutes Stück politischer. Er verlangt über knapp 140 Minuten eine Menge Aufmerksamkeit vom Zuschauer, belohnt dies aber mit einer guten Mischung aus intelligent aufgearbeiteter Historie und spannenden Einzelschicksalen. An den sensationell hohen Spannungsbogen des für drei Oscars nominierten "Hotel Ruanda" kommt er aber nicht heran - aber wie soll das auch funktionieren.
Dafür dass "Hotel Ruanda" einer der spannendsten Filme seines Jahrzehnt ist, muss sich der fast zweieinhalb Stunden lange "Als das Morden begann" nicht verstecken. In Punkto Anspruch legt dieses sehr menschliche Drama sogar noch eine volle Schüppe drauf. Ein wunderbares Dokument über ein äußerst trauriges Kapitel jüngster Menschheitsgeschichte.

Fazit: 80%

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