21. September 2015

Big Eyes

© Arthaus

Regie: Tim Burton
Land / Jahr: USA, Kanada 2014











In den 1950er Jahren versucht die alleinerziehende Margaret (Amy Adams) mit ihren Bildern etwas Geld für sich und ihre Tochter zu verdienen - allerdings will niemand ihre Werke haben. Doch dann tritt der gönnerhafte Walter Keane (Christoph Waltz) in ihr Leben und schafft es Margarets Bilder zu weltweit begehrten Kunstobjekten zu machen. Zwar macht das Ehepaar sehr viel Geld, aber Walter etabliert sich selbst als den Erschaffer der Big Eyes . . .
"Big Eyes" ist wirklich eine sehr merkwürdige Mischung. Hinter dem freundlich bunten Poster verbirgt sich keineswegs der Film, den man erwartet zu gucken. Allein, dass Tim Burton die Regie übernahm ist schon überaus kurios. Eigentlich ist Burton doch für Figuren bekannt, die stets mit ihren schwarz/weißen Outfits den Eindruck vermitteln als kämen sie direkt aus der Gruft, wie in "Beetlejuice", "Sweeney Todd" oder "Corpse Bride". Und jetzt ist seine neue künstlerische Epoche angebrochen mit bunten Figuren wie in "Charlie und die Schokoladenfabrik" und "Alice in Wonderland", oder wie?
Und seit wann macht Burton Dramen, die zudem noch auf wahren Begebenheit beruhen? Ist er nicht eigentlich ein Erzähler von fantastischen Geschichten? Klar, die Biographie "Ed Wood" ist höchstwahrscheinlich sein bester Film. Aber dessen düstere Trash-Thematik triefte auch nur so von Tim Burton und passte zu ihm wie keine andere. "Big Eyes" ist eigentlich das genaue Gegenteil davon.
Purer Burton ist in diesem Film lediglich die Figur des Walter Keane, hier wunderbar gespielt von einem - wie so oft - tollen Christoph Waltz in Höchstform. Walter ist so schön verrückt und irre, wie man es von einer Figur in einem Film von Tim Burton erwartet. Sein Korrektiv: die Unschuld in Person, seine Gattin Margaret, gespielt von einer ebenfalls überzeugenden Amy Adams.
Diese Geschichte um das Kunst-Betrüger-Pärchen macht großen Spaß, hat jede Menge gute und glaubwürdige, wenn auch manchmal zu schnell abgefrühstückte, Wendungen. Zu schnell abgefrühstückt heißt, dass die Balance zwischen den einzelnen Episoden aus den Fugen geraten ist. Burton at versucht keinen Aspekt unter den Tisch fallen zu lassen - wie zum Beispiel Margarets Konvertierung zu den Zeugen Jehovas. Das kommt nur am Rande vor, zeigt aber auch, dass die gute Margaret nicht ganz sauber im Kopf ist.
Letztendlich ist "Big Eyes" eine Biographie eines Verbrecherehepaares. Wer sich allerdings nur an dem Poster orientiert, könnte den Eindruck vermittelt bekommen, der Film sei eine freundliche Komödie. Weit gefehlt! Walter Keane ist ein Irrer und es ist eine Wonne mitzuerleben, die er seinen Betrug so richtig auslebt - und sich am Ende vor Gericht wiederfindet. Erstaunlich, dass sich diese absurd-groteske Geschichte tatsächlich so ereignet hat. Für große Kinderaugen ist der Film aber definitiv nicht geeignet.

Fazit: 65 %

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