24. September 2015

Kill Your Friends

© Ascot Elite

Regie: Owen Harris
Land / Jahr: Großbritannien 2015












Großbritannien 1997: Stelfox (Nicholas Hoult) hat einen absoluten Traumjob in der Musikindustrie. Doch hinter dem Schein von Glamour verbirgt sich ein knallhartes Geschäft, bei dem Freund nicht von Feind zu unterscheiden ist. Und um für immer auf der Erfolgswelle zu bleiben, ist dem jungen Musikproduzenten jedes Mittel recht ... auch Mord.
Die 90er Jahre sind nicht gerade das Synonym für guten Geschmack - vor allem nicht in der Musikindustrie. Guter Geschmack ist aber relativ, bei Stelfox geht es nicht darum, mit Stilsicherheit aufzufallen. Der junge Durchstarter will nur den Erfolg. Dabei nimmt er den Zuschauer mit in einen Großstadtsumpf aus Alkohol, Drogen und Sex.
Besonders gelungen sind aber nicht die Abgründe, sondern der wunderbar sarkastische Blick auf die Musik(-Branche). Ein erfolgreicher Proll-Rapper, der im Rollstuhl sitzt, eine primitive Girlband mit einem Durchschnitts-IQ von 50 und vor allem diese asozialen Deutschen angeführt von einem überzeugend primitiven Techno-Produzenten gespielt von Moritz Bleibtreu. Sie alle sind groteske Anleihen auf die Stilikonen eines verlorenen Jahrzehnts.
Das alles macht Spaß, weil es gleichzeitig real und doch absurd ist. Eine völlig andere Welt, die gar nicht so ist, wie vor allem jüngere Menschen es sich vorstellen. Was aber weniger gelungen ist, ist der Thriller-Aspekt. "Kill Your Friends" heißt ein Film, bei dem der Kill so krass kurz kommt, dass man ihn getrost hätte rauslassen können.
Hinter dem schwachen Titel verbirgt sich nur vordergründig eine "American Psycho"-Variante, die in der Musikwelt angesiedelt ist. Es geht weniger darum eine einzelne verkommene Psyche zu zeigen und mehr darum zu zeigen, was unmenschlicher Druck aus Menschen machen kann. Dass jemand allerdings so weit geht zu morden, das ist der Moment in dem der Film ein  großes Stück Glaubwürdigkeit verliert.
"Kill Your Friends" ist eine clevere Buchadaption mit vielen sehr guten Dialogen, ambitionierten Darstellern in witzigen Rollen und einigen Lachern. Gutmütige Menschen werden den Film anstößig finden, aber wem britische Filme wie "Filth" nicht zu schmutzig sind, dem wird auch dieser abgründige Blick in die Musikindustrie gefallen, der die Geschmacklosigkeiten Ende des vergangenen Jahrtausends belächelt.

Fazit: 65 %

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