23. September 2015

Songs from the Second Floor

© good Movies!

Regie: Roy Andersson
Land / Jahr: Schweden, Norwegen, Dänemark 2000












Irgendwo im schwedischen Nirgendwo läuft alles aus dem Ruder. Besonders für Kalle (Lars Nordh), dessen Leben immer wieder von schlimmen Ereignissen durcheinander gerüttelt wird.
Die Skandinavier sind ein eigenartiges Völkchen, das haben sie, auch was das Filmemachen angeht, stets unter Beweis gestellt. Sie haben eine ihnen eigene ironische Sicht auf die Melancholie entwickelt, deren Meister wohl der finnische Filmemacher Aki Kaurismäki ist.
Einen ähnlich traurig-witzigen Ton in einem urbanen Dystopia stimmt der Schwede Roy Andersson mit "Songs from the Second Floor" an. Im Gegensatz zu Kaurismäki erzählt er aber keine absurde Geschichte. Er erzählt Bruchstücke davon, was eine Geschichte hätte werden können, wenn die kurzen Episoden auch nur im Entferntesten miteinander verknüpft worden wären. Hier und da lassen sich Schnittpunkte erkennen. Das war es aber auch schon.
Ebenfalls anders als Kaurismäki täuscht Andersson nur inszenatorische Schlichtheit vor. Die Kamera bewegt sich bei den ungeschnittenen Einstellungen nicht. Andersson zieht es vor nicht mit dem Bildausschnitt, sondern mit der Bildtiefe zu arbeiten. Wie in einem Suchbild muss das Auge des Zuschauers das ursprünglich schlichte Geschehen abtasten. Und es gibt immer wieder Elemente, die für Überraschungen sorgen können. Und das überall: Im Vorder-, Mittel- und Hintergrund.
Genau das ist nämlich die Stärke des eigenwilligen Schwedens, der es wie kaum ein anderer versteht, die Tiefe des Raumes für seinen Betrug am Zuschauer zu nutzen. Und letzterer ist jedesmal freudig überrascht, wenn wieder einmal nichts so ist, wie es noch wenige Minuten zuvor schien.
Doch obwohl "Songs from the Second Floor" mit seiner künstlerisch anspruchsvollen Inszenierung punkten kann: Die Handlung - insofern sie überhaupt als solche zu bezeichnen ist - bleibt ein Flickenteppich. Ein Fragment, bei dem es keine Rolle spielt, ob man die letzte Szene verpasst hat oder nicht. Wer sich damit arrangieren kann, dass der berühmte rote Faden in Stücke gerissen rumliegt, der kann mit dem ruhig-poetischen "Songs from the Second Floor" ausgefallene 98 Minuten erleben. Wer zumindest einen Ansatz von Struktur und Handlung von einem Film erwartet, der wird mit diesem Schweden-Absurdum nicht viel anfangen können. Eines ist "Songs from the Second Floor" aber auf jeden Fall: originell.

Fazit: 65 %

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