28. September 2015

süße Gier, Die

© Movienet

Regie: Paolo Virzì
Land / Jahr: Italien, Frankreich 2013












Einen Tag vor Weihnachten geraten die Welten zweier Familien völlig durcheinander. Familienvater Dino (Fabrizio Bentivoglio) will endlich zur Oberschicht gehören und investiert 700.000 Euro in einen Fonds von Giovanni (Fabrizio Gifuni) - Geld das er nicht besitzt. Währenddessen werden die gerade erwachsenen Kinder beider Familien in einen tödlichen Unfall verwickelt.
Schon wieder so ein italienischer Film, der zeigt, was für Menschen wir eigentlich sind. Das Leben auf hirnlosen Kapitalismus ausgerichtet, jeder will nur haben und besitzen. Alle Mittel sind recht. Dabei begehen die Figuren in "Die süße Gier" keine bösartigen Verbrechen: Sie sagen einfach nur nicht immer die Wahrheit ... wie wir alle.
Die Spirale zieht immer weiter runter. Dabei können sich im Laufe des Filmes sogar die Meinungen der Zuschauer gegenüber den Figuren ändern. Denn Regisseur Paolo Virzì erzählt seine Geschichte aus dem oberen sozialen Drittel Italiens aus drei verschiedenen Perspektiven. Jedesmal erschließen sich andere Gründe, das berühmte Puzzle fügt sich zusammen. Nur ganz selten kommt ein Gefühl von Rekurrenz auf. Der Zuschauer lernt gemeinsam mit den Figuren.
Und diese Schöpfungen sind keine schlechten Menschen, sie handeln nur aus eigenem Interesse heraus. Würde man sie fragen, so würden sie das leugnen. Und die Meisten, die jetzt denken sie seien nicht so, sind einfach nur naiv. Dabei sind einige Szenen sogar ein wenig zum Fremdschämen, wenn sich Dino zum Beispiel auf billigste Art und Weise bei Giovanni einschleimt.
"Die süße Gier" ist kein derart monumentales Gesellschaftsportrait wie Federico Fellinis "Das süße Leben", aber Filme wieder dieser und der herausragende "La Grande Bellezza" zeigen, dass Italiens Filmindustrie wieder im Aufwind ist. Es ist einfach eine Wonne, wie stilsicher und gleichzeitig herablassend Virzì auf seine Figuren blickt. Man ist nie sicher, ob er das Tier im Menschen kritisiert oder den Menschen im Tier sucht. So geht anspruchsvolles Kino mit Stil.

Fazit: 75 %

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