13. Oktober 2015

Alles steht Kopf


© Disney

Regie: Pete Docter
Land / Jahr: USA 2015












Eigentlich führt die kleine Riley ein normales Leben, sodass ihre Gefühle nicht vor zu großen Problemen stehen. Als die Familie jedoch umzieht, bekommen auch Freude, Angst, Wut, Kummer und Ekel einiges zu tun. Schließlich wollen sie nicht, das Rileys Psyche zu sehr durcheinander geschüttelt wird.
In den späten 80er Jahren gab es eine besonders gelungene Zeichentrick-Serie, die nicht nur Kinder bestens unterhalten hat, sondern auch noch unaufdringlich lehrreich war und somit bei Eltern sehr beliebt: Die französische Serie "Es war einmal ... das Leben". Darin ging es in 26 Folgen einmal quer durch den menschlichen Körper. Das Fantastische war, das die Zusammenhänge zwar vereinfacht und verbildlicht, aber nicht triviliasiert und banalisiert wurden. Selbst für Medizinstudenten können diese Folgen als Einsteigerkurs herhalten.
Selbiges gilt für die geistigen Kinder von Sigmund Freud, die mit "Alles steht Kopf" eine wunderbare Version der klassischen Serie vorgesetzt bekommen. Viele Zusammenhänge sind liebevoll aufgearbeitet und völlig ohne den pädagogischen Zeigefinger dargestellt. Es gibt einiges zu lernen und das bekommen die Kinder noch nicht einmal mit. Perfekter Unterricht, der auch noch richtig Spaß macht.
Das alles passiert so unterbewusst, weil das Tempo und die Unterhaltung einfach so straff getaktet sind. Es gibt viel zu entdecken in der grenzenlosen Welt, die Rileys Gehirn darstellt. Es werden viele kreative Figuren vorgestellt. Und der Film platzt einfach nur so guten Ideen. "Alles steht Kopf" ist ein Sammelsurium von extrem fantasievollen Ideen.
Einziger Schwachpunkt sind die dramatischen Übertreibungen, denen sich Regisseur Pete Docter zum Ende hin dann doch nicht entziehen kann. Der Traumtyp-Turm ist einfach unnötig, das in das Fenster gebunsenbrannte Loch eine schwache Lösung für das Problem. Diese Szenen hat der Film einfach nicht nötig, leider hat Herr Docter das nicht erkannt.
"Alles steht Kopf" hätte auch den Titel "Es war einmal ... die Psyche" heißen können: Die Reise durch den menschlichen Geist ist ausgezeichnet durchdacht, sehr lehrreich (und das nicht nur für Kinder) und enthält neben vielen sympathischen Figuren auch eine Vielzahl an grandiosen Szenen. Vor allem aber ist er ein Film, der wirklich für Kinder geeignet ist. Einfach schon, weil es keinen Bösewicht gibt, den es zu töten/besiegen gilt. Das Paket stimmt einfach in einem der besten Filme des Jahres 2015.

Fazit: 85 %

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