19. Oktober 2015

Black Mass

© Warner

Regie: Scott Cooper
Land / Jahr: USA 2015












James "Whitey" Bulger (Johnny Depp) gehört zu den skrupellosesten Verbrechern Bostons. Als das FBI auf ihn zukommt, ergibt sich eine ungeahnte Möglichkeit: Bulger soll den Ermittlern Beweise gegen die Mafia liefern. Das kommt dem gnadenlosen Kriminellen gerade recht, kann er doch so seine Konkurrenz aus dem Weg schaffen.
Wenn Schauspieler einen Oscar erwarten, aber nie ihre Pfoten an einen eigenen Goldjungen legen dürfen, dann müssen extreme Mittel her. Und was könnte sich da besser eignen, als gegen den Typ besetzt zu werden. Johnny Depp als absolut bösartiger - und zudem noch hässlicher - Mensch; das ist einfach nicht sein Stil.
Depps letzte Rollen waren nicht schlecht. Schließlich spielte er Captain Jack Sparrow in "Fluch der Karibik", Captain Jack Sparrow in einem Indianerkostüm in "Lone Ranger", Captain Jack Sparrow in einem Vampirkostüm in "Dark Shadows" oder auch Captain Jack Sparrow in einem Verrückten-Hutmacher-Kostüm in "Alice in Wonderland". Sagen wir es mal wie es ist: Es war einfach Zeit für eine Veränderung.
Und man muss es ihm wirklich lassen: Depp spielt einen der berüchtigsten Kriminellen der US-Geschichte wirklich überzeugend - und dass obwohl der echte Bulger ihn trotz mehrerer Anfragen nie in seinem neuen Betonzuhause empfangen wollte. Ein Übriges tut auch das Make-Up: Diese dünnen, zurückgekämmten Haare und diese wasserblauen Augen sehen beängstigend aus. Johnny Depp ist der Teufel mit den Eisaugen.
Beängstigend ist auch die Dummheit des FBI, in Persona: John Connolly (Joel Edgerton). Die zweite nicht minder tragische Figur in dieser düsteren Mischung aus Drama und Thriller. Der Zuschauer wird auf eine schwierige Probe gestellt, welche Figur er weniger mag: Den eiskalten Killer oder den gierigen Bullen, der sich bis auf's Blut ausnutzen lässt.
"Black Mass" ist ein qualitativ hochwertiger Film, der zwar keine große Baustelle hat, aber mehrere kleine. Denn einen Ausschlag der Spannungskurve sucht man hier vergebens und die ganz großen Szenen sind ebenfalls rar gesät. Wer aber einen sehr gut geschriebenen und größtenteils erstklassig gespielten ruhigen Gangsterfilm zu schätzen weiß, kommt hier auf seine Kosten. In einer Nebenrolle sticht noch Jesse Plemons hervor. Das ist der Typ, der aussieht wie Matt Damon mit Schminke. Was ein bisschen schade ist, ist dass in den ersten 30 Minuten noch jede Menge Testosteron verschüttet wird, das aber im Laufe des Filmes leider nächlässt.

Fazit: 75 %

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