1. Oktober 2015

Charlie's Farm

© Meteor

Regie: Chris Sun
Land / Jahr: Australien 2014












Das wäre doch ein riesen Abenteuer: Einmal auf der berühmten Charlie's Farm zu übernachten, auf der der berühmte Serienkiller Charlie (Nathan Jones) mit seiner Familie sein Unwesen trieb. Der Thriller stellt sich bald als wirklicher heraus, als gewünscht: Charlie ist real und bei bester Gesundheit - die Eindringlinge bald nicht mehr.
Das sitzt Charlie auf seinem Thron - so will es ein Poster zum Film -, hinter ihm die aufgespießten Köpfe von Freddy Kruger ("A Nightmare on Elm Street"), Michael Myers ("Halloween"), Jason Voorhees ("Freitag der 13.") und Letherface ("Texas Chainsaw Massacre"). Vor ihm liegt erstochen ein ganz besonderes Opfer: Tick Taylor, der in den beiden "Wolf Creek"-Filmen Teenes durch das australische Outback jagte. Warum gerade er als Prämie Nummer eins angesehen wird: Eine Kampfansage an seinen Landsmann von Regisseur Chris Sun. Es geht um die Krone des australischen Slasher-Films.
Dieses Poster weckt große Erwartungen, die jedoch keineswegs erfüllt werden können. Denn "Charlie's Farm" hat gleich drei richtig große Probleme. Zum einen wäre da die 08/15-Story, die so unkreativ ist, dass es schon überraschend wäre, hätte Chris Sun das Drehbuch nicht an einem Tag schnell mal eben runtergeschrieben. Es gibt keine Wendungen, keine Überraschungen und jedes Klischee wird erfüllt.
Punkte Nummer zwei: Bevor die eigentliche Handlung, nämlich der Überlebenskampf der mutigen Eindringlinge losgeht, sind sage und schreibe 60 von 90 Minuten vergangen. Eine Stunde lang reist die Gruppe auf die Farm, macht Blödsinn, erzählt von der Legende um den gefürchteten Charlie und seine verrückte Familie. Eine Stunde in der so gut wie nichts passiert; "Charlie's Farm" hätte locker auf eine Gesamtlänge von 50 Minuten runtergeschnitten werden können.
Der letzte Punkt wird aber vor allem die Genrefans verschrecken. Denn der Horror funktioniert kaum auf dieser Farm. Weder sind die Figuren so sympathisch, dass es auch nur im Geringsten stört, wenn Charlie sie dahinrafft, noch ist die Atmosphäre düster und bedrohlich. Selbst die Splatter-Effekte sind sehr rar gesät. Der Bodycount ist so niedrig wie in keinem anderen anderen der berühmten Splatterfilme, die auf dem Poster zitiert werden.
"Charlie's Farm" wäre gerne Kult, ist aber Schrott. Der Film ist langwierig, spannungslos und für den Anspruch, den er sich selbst stellt, nämlich bei den ganz Großen des Slasher-Genres mitspielen zu wollen, wird zu wenig rote Soße vergossen. Langt Charlie einmal zu, denn ist das schon ziemlich gnadenlos und könnte Probleme mit der deutschen Zensurstelle bringen, aber das passiert einfach zu selten, um Genre-Fans begeistern zu können. Was "American Pie"-Sternchen Tara Reid in diesem überteuerten Horrorfilm macht, schließlich hat "Charlie's Farm" drei Millionen Dollar gekostet, ist ein großes Rätsel. Mit Sicherheit ist dieser Film nach ihrem Auftritt in Uwe Bolls "Alone in the Dark" ein weiterer Karrieretiefpunkt.

Fazit: 25 %

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